Angela Merkel zu Gast bei Militärparade in Paris - "Gelbwesten" protestieren

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Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist in Paris am Sonntag bei der traditionellen Militärparade zum französischen Nationalfeiertag die verteidigungspolitische Kooperation in Europa unterstrichen worden.

Für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stehen die Feierlichkeiten in diesem Jahr aber im Zeichen der sogenannten Interventionsinitiative der europäischen Verteidigung - und damit eines gemeinsames Europas. Sie gebe seinem Land die Fähigkeit, sich "im Weltraum und vom Weltraum aus zu verteidigen". Diese ist über einige wenige Kooperationsprojekte nicht hinausgekommen.

Frankreich, Deutschland, Großbritannien und eine Reihe anderer EU-Staaten hatten im vergangenen Jahr eine neue Militärkooperation auf den Weg gebracht. Sie soll über eine deutlich engere Zusammenarbeit zwischen den Generalstäben zu einer schnelleren militärischen Reaktion in Krisenlagen führen.

Neben Merkel hatten mehrere europäische Staats- und Regierungschefs das rund zweistündige Militärspektakel verfolgt. Den Vorschlag für die Interventionsinitiative hatte Macron gemacht.

Macron wollte mit den diesjährigen Feierlichkeiten ein Zeichen für eine gemeinsame Verteidigungspolitik in Europa setzen. Für Macron hat der Aufbau einer gemeinsamen europäischen Verteidigung in Verbindung mit der Nato Priorität. Insgesamt marschierten rund 4300 Soldaten auf, ferner waren fast 200 Fahrzeuge, 237 Pferde, 69 Flugzeuge und 39 Hubschrauber zu sehen.

Auch der derzeit deutsche Kommandeur der deutsch-französischen Brigade, Bertrand Boyard, sagte, dass es eine große Ehre sei, bei der Parade wieder dabei zu sein. Sie hob auch die Bedeutung für das deutsch-französische Verhältnis hervor. Merkel fühlte sich "geehrt" durch die Einladung und nannte die Parade "eine große Geste in Richtung der europäischen Verteidigungspolitik". Vor 25 Jahren waren erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg deutsche Soldaten bei der Pariser Parade mitmarschiert.

Als besondere Attraktion wurde ein sogenanntes Flyboard Air präsentiert. Der französische Jetski-Weltmeister Franky Zapata überflog mit dem Gerät rund eine Minute lang die Champs-Élysées in der Nähe der Ehrentribüne mit Merkel und den anderen Gästen.

Vor der Parade hatte Präsident Macron mit Generalstabschef François Lecointre die Truppen an Bord eines offenen Militärjeeps inspiziert. Vertreter der Protestbewegung "Gelbwesten" protestieren seit vergangenem November im ganzen Land gegen die Reformpolitik Macrons. Rund 40 "Gelbwesten" wollten sich gewaltsam Zugang zu den Champs-Elysées verschaffen, wurden aber von Sicherheitskräften abgedrängt. Zwei prominente "Gelbwesten"-Vertreter, Jerôme Rodriguez und Maxime Nicolle, wurden in Polizeigewahrsam genommen".

Das Flyboard weckt schon seit längerem das Interesse des Militärs: Nach Angaben des Herstellers erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde in einer Höhe von bis zu 150 Metern und kann eine Nutzlast von 100 Kilogramm tragen.

Die Parade fand unter extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Es wäre wünschenswert, dass die Soldaten zukünftig auch gemeinsam in Ausland im Einsatz sind, sagte Brigadegeneral Boyard.

Frankreich begeht seinen Nationalfeiertag und erinnert an den Sturm auf die Bastille vor 230 Jahren. Juli 1789 gilt als symbolischer Beginn der Französischen Revolution.

Am Vorabend der Feierlichkeiten kündige Macron auch den Aufbau eines militärischen Weltraumkommandos an. Andere EU-Staats- und Regierungschefs sowie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg waren ebenfalls anwesend.

Bei den offiziellen Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag hat Frankreichs Präsident Macron die militärische Stärke Europas demonstriert. "Um die Entwicklung und Verstärkung unserer Fähigkeiten im Weltraum zu gewährleisten, wird im kommenden September ein großes Raumfahrtkommando innerhalb der Luftwaffe geschaffen", sagte Macron bei einer Rede vor Militärs in Paris.

Macron reagiert mit seinem Vorstoß auf den wachsenden Wettlauf Chinas, Russlands und der Vereinigten Staaten um die Vormacht im All. Auf Wunsch von US-Präsident Trump arbeitet das US-Verteidigungsministerium bereits an Plänen für den Aufbau einer "Space Force" als Teil der amerikanischen Streitkräfte.

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