VW und Ford schmieden Zukunftsallianz bei E-Autos und autonomen Fahren

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Im Vergleich damit war die gestrige Ankündigung der Konzernchefs Herbert Diess (VW) und Jim Hackett (Ford) eine Atombombe: Die beiden Autobauer, aktuell Nummer eins und Nummer vier der Welt, werden auch bei Elektroautos und bei der Entwicklung von autonom fahrenden Autos kooperieren.

Dazu könnten die Wolfsburger bei der Ford-Tochter Argo AI einsteigen, die Systeme für autonome Fahrzeuge entwickelt, und die eigenen Aktivitäten der VW-Tochter Audi in den Bund einbringen.

Vor der Aufsichtsratssitzung war vermutet worden, Ford könne an der von VW entwickelten Plattform MEB interessiert sein.

Durch den Volkswagen-Einstieg bei Argo AI werden beide Automobil-Riesen zukünftig zu gleichen Teilen die Mehrheit an der Ford-Tochter halten. Die VW-Tochter wird für das Geschäft mit 1,6 Milliarden Dollar bewertet. Der bisherige AID-Sitz in München soll künftig als Europa-Zentrale von Argo AI dienen. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird VW zudem Ford laut Mitteilung weitere Argo-Aktien im Wert von 500 Millionen Dollar abkaufen.

Damit komme VW dem Ziel näher, mit der Grundplattform einen "Industriestandard" zu schaffen: Über die höheren Stückzahlen komme man zu niedrigeren Stückkosten und mache so die Wagen erschwinglicher für die Kunden, die weltweit immer noch nicht recht überzeugt sind vom Elektroantrieb. Es sei sinnvoll für beide Seiten, das gemeinsam anzugehen. Offenbar ein gutes Investment: Denn Ford ist seitdem im Bereich autonomes Fahren auf Augenhöhe mit den Konkurrenten aus dem Silicon Valley. "Man muss heute investieren, um vielleicht 2030 die ersten Umsätze damit zu machen".

Trotz des hohen Preises, den VW zahlt, bleibt Argo AI im Vergleich zu den führenden Firmen in der Roboterautoentwicklung eine recht kleine Nummer. Googles Schwester Waymo, die als Vorreiter bei der Technik gilt, trauen Analysten sogar eine Bewertung von weit mehr als 100 Milliarden Dollar zu.

Der mit einem Ford-Namenszug geschmückte VW soll ab dem Jahr 2023 fahren, aber vorerst nur in Europa.

Ford wird das elektrische Antriebssystem von Volkswagen für mindestens eines seiner Modelle nutzen. Der US-Hersteller plant, in den nächsten sechs Jahren mehr als 600.000 Autos über diese Plattform zu produzieren. Angesichts verschärfter CO2-Abgasregeln in der Europäischen Union ab 2021 könnten daher Strafzahlungen drohen. Ford fährt in Sachen E-Autos aber mehrgleisig und ist auch am Tesla-Rivalen Rivian beteiligt.

VW und Ford hatten bereits im Januar beschlossen, bei leichten Nutzfahrzeugen zu kooperieren und über eine erweiterte Partnerschaft verhandelt. Davon erhoffen sie sich, den weltweiten Markt effizienter zu bedienen, da Kosten für die Investitionen auf eine größere Zahl von Produkten verteilt werden.

So haben heuer auch schon die eigentlichen Erzrivalen BMW und Mercedes (Daimler) eine Kooperation angekündigt und erklärt, man werde beim autonomen Fahren zusammenarbeiten.

Die Standortfrage für ein neues VW-Werk in Osteuropa ist indes weiter offen. Am Donnerstagabend lud VW für Freitag zu einer Pressekonferenz in New York ein. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnte sich die Entscheidungsfindung aber noch einige Zeit hinziehen.

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