Geldpolitik: Draghi stellt Weichen für Lockerung

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Sollte sich der Wirtschaftsausblick nicht bessern, sei eine zusätzliche Lockerung notwendig, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Dienstag auf der EZB-Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra. An den europäischen Kapitalmärkten sanken die Renditen deutlich. Die österreichischen Renditen für 10-jährige österreichische Staatsanleihen am Sekundärmarkt rutschten erstmals in den negativen Bereich.

Der Euro gab nach den Worten Draghis um einen halben Cent nach. Zehnjährige Bundesanleihen erreichten ein Rekordtief bei minus 0,33 Prozent.

Der eigentliche Adressat der Botschaft Donald Trumps dürfte indessen die amerikanische Notenbank sein, deren Führung gerade über ihre Geldpolitik berät und von der Trump lautstark Zinssenkungen verlangt.

Die EZB hatte Anfang Juni auf ihrer Zinssitzung wegen gestiegener Konjunktursorgen bereits die Wende hin zu einem Anstieg der Zinsen erneut verschoben. Im Mai lag die Teuerung gerade einmal bei 1,2 Prozent nach 1,7 Prozent im April. Sie wolle nun an ihren Schlüsselsätzen noch bis mindestens zum Sommer 2020 nicht zu rütteln, hieß es. Dazu hat sich die Inflationsrate zuletzt wieder deutlich von der EZB-Zielmarke von knapp unter zwei Prozent entfernt, die die Notenbank als Idealwert für die Wirtschaft anstrebt. Bislang galt das nur bis Ende 2019. Dies mache es für Europa unfairer Weise leichter, mit den USA wirtschaftlich zu konkurrieren. Je billiger der Euro, desto preislich attraktiver können Waren und Dienstleistungen aus der Eurozone in anderen Währungsgebieten werden.

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