RTL deckt Manipulationen in den eigenen Reihen auf

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Der Sender hat sich dazu selbst in einer Pressemitteilung geäußert und Fehler eingestanden.

Nachdem der "Fall Relotius" kurz vor Weihnachten für einen Manipulationsskandal beim "Spiegel" gesorgt hatte, deckt nun RTL einen ähnlichen Fall in den eigenen Reihen auf.

Ein langjähriger Mitarbeiter des Regionalsenders RTL Nord hat in mehreren Fällen TV-Beiträge für RTL manipuliert. Nach "umgehenden und gründlichen Prüfung des Verdachts konnten dem 39-Jährigen in diesem und in mindestens sechs weiteren Fällen bewusst verfälschende Eingriffe in seinen Beiträgen nachgewiesen werden", teilte nun RTL mit. Sie informierte ihre Vorgesetzten bereits vor rund einem Monat über etwaige Unregelmäßigkeiten in einem Beitrag über Kodein-Missbrauch.

RTL gab in einer öffentlichen Erklärung an, dass der Mitarbeiter in persönlichen Gesprächen die Vorwürfe zu relativieren versucht habe.

Michael Pohl konkretisierte die Manipulationen des Ex-Kollegen wie folgt: "Die von uns geprüften Beiträge waren im Gesamtkontext zwar nicht erfunden, aber handwerklich und inhaltlich sehr geschickt dahingehend manipuliert, dass sie aufregender und größer wirken sollten, als es die Realität hergab".

Dadurch habe "der Reporter ganz bewusst rote Linien des Journalismus überschritten", so RTL. In der Vergangenheit sei der Mann hauptsächlich für das Mittagsjournal "Punkt 12" tätig gewesen. Offenbar manipulierte ein langjähriger Mitarbeiter TV-Beiträge - die vor allem bei "Punkt 12" gezeigt wurden.

Darin meint Michael Wulf, RTL-Chefredakteur und Geschäftsführer infoNetwork: "Wir vertrauen in die journalistische Aufrichtigkeit unserer Reporter und unsere Kontrollmechanismen bei der Abnahme von Beiträgen sind streng". Im Rohmaterial habe sie zudem Aussagen getroffen, die den Schluss nahelegten, dass sie noch nie Codein genommen habe.

Ein an dem Dreh beteiligter Kameramann habe bestätigt, dass es sich bei der für den Beitrag aufgenommenen jungen Frau und der von dem Redakteur genannten Protagonistin um zwei verschiedene Personen handele. Obwohl der 39-Jährige nicht selbst das Interview führte, fügte er sich nachträglich in dem Beitrag als Fragesteller ein. Darin stelle er die Behauptung auf, bei einem Interview bemerkt zu haben, dass auch Melanie C. sich die Hände desinfiziere.

Die Reporterin, die die Bilder mit Melanie C. gedreht habe, bestätige dies. Alle Beiträge des Reporters wurden sowohl online als auch im internen Newsarchiv umgehend gesperrt, erklärte der Kölner Sender. Der Desinfektions-Beitrag lief dreimal bei "Punkt 12", zuletzt am 6. Dezember 2018, am 10. Dezember 2018 bei "Guten Morgen, Deutschland" und am 14. Januar 2019 bei RTL Nord.

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