HIV-Infektion bei schwulen Paaren durch Medikamente gestoppt

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Eine Pille des HIV-Medikaments Truvada. Obwohl die Paare beim Geschlechtsverkehr keine Kondome verwendeten, kam es zu keiner Ansteckung unter ihnen. Laut einer im Fachmagazin The Lancet veröffentlichten Studie kam es bei rund 1.000 männlichen homosexuellen Paaren über einen Zeitraum von acht Jahren nicht zu einer Ansteckung. Von den Probanden war jeweils ein Partner HIV-positiv und nahm sogenannte antiretrovirale Medikamente, so dass keine Viren mehr im Blut nachweisbar waren. "Mit HIV lebende Menschen haben nun die Bestätigung, dass sie - regelmässige Medikamenteneinnahme und eine geringe Viruslast vorausgesetzt - nicht infektiös sind", erklärte Unaids-Chef Michel Sidibé.

In einer Langzeitstudie hat sich gezeigt, dass Männer, die sich einer wirksamen HIV-Behandlung unterziehen, bei der das Virus unterdrückt wird, den Partner auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht mit dem Aids-Erreger infizieren.

HIV-infizierte Männer können durch die Einnahme neuer Medikamente mit ihrem Partner ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, ohne diesen zu infizieren. Denn noch immer wird "Safersex" nicht zum Schutz vor übertragbaren Erkrankungen praktiziert, auch wenn diese, wie Aids, tödlich enden können. Andere Studien mit heterosexuellen oder homosexuellen Paaren hatten zuvor bereits vergleichbare Daten geliefert.

Das Uno-Programm Unaids begrüsste die neuen Ergebnisse als "grossartige Neuigkeiten".

Die HIV-infizierten sind mit Medikamenten behandelt worden, die das Virus im Körper kaum nachweisbar machen.

Ein grosser Teil aller HIV-Übertragungen geht Unaids zufolge allerdings auf die Phase zurück, in der sich Menschen gerade selbst angesteckt haben, aber noch nichts von ihrer Infektion wissen. Ihre Viruslast ist mangels entsprechender Therapie hoch und das Risiko, den Erreger weiterzugeben, daher vergleichsweise gross.

Erst vor wenigen Wochen berichteten britische Wissenschaftler über einen medizinischen Durchbruch: Den Experten zufolge konnte ein Mann aus England vom HI-Virus geheilt werden. Experten betonten die Wichtigkeit, sich früh testen zu lassen. Das Ziel müsse zudem weltweit sein, allen HIV-positiven Menschen Zugang zu Tests und einer effektiven Behandlung zu ermöglichen, betonen UN-Programm und Studienautoren gleichermaßen. Unbehandelt führt eine Infektion zu einer zunehmenden Schädigung des körpereigenen Abwehrsystems und darauf folgend auch oft zum Tod.

In der Schweiz lebten nach Angaben der Aids-Hilfe rund 20'000 Menschen mit HIV. Die Zahl der Neuinfektionen im Jahr 2017 betrug 445 - ein historischer Tiefstand und 16 Prozent weniger als im Jahr davor.

Eine Untersuchung an heterosexuellen Paaren mit identischer Konstellation (eine Person hat HIV, die andere nicht), brachte ein identisches Ergebnis.

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