Palästinenser feuern zwei Raketen auf Tel Aviv | Politik

Einstellen Kommentar Drucken

Dabei war der Angriff auf die Küstenstadt möglicherweise nur ein Versehen. Eine Ende vergangenen Jahres von Ägypten ausgehandelte Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas ist zunehmend brüchig geworden. Die Regierung in Jerusalem reagierte damit auf die Tatsache, dass erstmals seit der Operation "Protective Edge" im Sommer 2014 wieder Raketen auf Tel Aviv niedergegangen waren. Laut des Gesundheitsministeriums von Gaza wurden ein Mann und eine Frau verletzt.

Nach Angaben der Armee hatten militante Palästinenser im Gazastreifen am Donnerstag mindestens zwei Raketen auf den Grossraum Tel Aviv abgefeuert. Laut dem israelischen Armeeradio befinden sich dort etliche Marineeinheiten der Hamas.

In der israelischen Stadt Sderot und der Region Sha'ar Hanegev heulten die Sirenen auf. Auf einem Schulhof in der Stadt wurden nach Angaben der Stadtverwaltung Überreste einer Abwehrrakete gefunden. Insgesamt seien seit Donnerstagabend elf Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert worden, sagte ein israelischer Militärsprecher. Etwa die Hälfte davon habe die Raketenabwehr abgefangen. Nach den Raketenangriffen am Morgen blieb es zunächst ruhig. Die palästinensischen Proteste an der Grenze, die jeden Freitag stattfinden, wurden heute abgesagt - nach Angaben der Organisatoren um die Lage nicht weiter zu verschärfen. Eine ägyptische Delegation, die wegen der Verhandlungen über einen längerfristigen Waffenstillstand wieder einmal im Gazastreifen war, verließ die Küstenenklave noch am Abend - auch auf Anraten der israelischen Armee.

Das waren kleinere Scharmützel, aber ein Angriff auf Tel Aviv und des dicht besiedelten Zentralraum wurde als ernst zu nehmende Eskalation eingestuft. Verletzt wurde niemand, es gab auch keine Sachschäden. Die israelische Armee teilte mit, entgegen Medienberichten sei keines der Geschosse von der Raketenabwehr abgefangen worden. Eine der Raketen schlug nach Medienberichten auf offenem Gebiet ein und die andere brach offenbar noch im Flug auseinander. Die Geschosse wurden nach Armeeangaben aus dem Gazastreifen abgefeuert.

Die israelische Luftwaffe begann jedoch gegen 1.30 Uhr Ortszeit mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen.

Die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad dementierte am Abend Medienberichte, denen zufolge seine Mitglieder für die Angriffe verantwortlich waren.

In rund drei Wochen finden in Israel Parlamentswahlen statt. Politiker vor allem rechter Parteien forderten Netanjahu zu harschen Reaktionen bis hin zur gezielten Tötung von Hamas-Führern auf. Regierungschef und Verteidigungsminister Benjamin Netanjahu wollte Berichten zufolge angesichts der neuen Angriffe eine Dringlichkeitssitzung im Militärhauptquartier in Tel Aviv abhalten.

Am 9. April wird in Israel ein neues Parlament gewählt und führende Kandidaten haben eine härtere Gangart gegenüber militanten Palästinensern im Gazastreifen gefordert. Israel hat vor mehr als zehn Jahren eine Blockade über das Küstengebiet verhängt, die vom benachbarten Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen das mit Sicherheitsinteressen.

Comments