Gesundheit: Kassenpatienten sollen schneller Arzttermine bekommen

Einstellen Kommentar Drucken

Berlin. Monatelanges Warten auf Arzttermine soll für gesetzlich Krankenversicherte künftig der Vergangenheit angehören. Zugleich verteidigte der Minister die höhere Vergütung für die Ärzte: "Wer mehr behandelt, soll auch entsprechend besser vergütet werden". So sollen Praxisärzte wöchentlich mindestens 25 statt 20 Stunden für gesetzlich Versicherte anbieten müssen. Bestimmte Fachärzte wie Augen-, Frauen- oder HNO-Ärzte müssen mindestens fünf Stunden wöchentlich als offene Sprechstunden anbieten.

Zur Vermittlung der Termine sollen die Servicestellen, die in den Ländern bisher unterschiedlich arbeiten, ausgebaut und zusammengeführt werden. Dadurch könnte aber die Höhe des Arzthonorars über Wartezeiten entscheiden, warnt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller.

Der Bundestag hat am Donnerstag das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) beschlossen. So sollen Ärzte als Anreiz zusätzlich Geld bekommen: fürs Vermitteln dringender Termine bei Fachärzten, für neue Patienten in der Praxis und Leistungen in offenen Sprechstunden. "Gerade in Ostdeutschland arbeiten die niedergelassenen Ärzte am Limit".

Auf die gesetzlichen Krankenkassen, die bisher schon 40 Milliarden Euro im Jahr für Arzt-Honorare zahlen, dürften Mehrausgaben von bis zu 800 Millionen Euro zukommen. Patienten können dort dann ebenfalls Termine bei Haus- und Kinderärzten bekommen. Zudem sollen sie bundesweit unter der Telefonnummer 116117 täglich rund um die Uhr erreichbar sein - und auch online oder über eine App für Smartphones. Ab 2021 soll es auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ("gelbe Scheine") bei längerer Krankheit in digitaler Form geben. Das Ministerium übernimmt dafür nun 51 Prozent der Gematik-Gesellschaft, die sich auch um den Aufbau einer Datenautobahn kümmert unter Protest der bisherigen Träger aus der Branche.

Zahnersatz: Die festen Zuschüsse der gesetzlichen Kassen werden mit der Novelle von derzeit 50 auf künftig 60 Prozent erhöht. In der Pflege sollen ab 1. Mai 2019 auch reine Betreuungsdienste zugelassen werden, die zum Beispiel beim Putzen oder Einkaufen helfen. Als "positive Aspekte" nennt Kassenchef Jens Baas "etwa die geplante Stärkung der, sprechenden Medizin, die Erweiterung der Terminservicestellen und die verpflichtende Einführung einer elektronischen Gesundheitsakte". Stattdessen sollte die Versorgung von älteren, mehrfach erkrankten Patienten, bei Notfällen und in der Geburtshilfe verbessert werden. "Mich treibt aber die Sorge um, dass dies zu Lasten der Termine für chronisch Kranke gehen könnte", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Frank Bergmann, unserer Redaktion. Wenn in Zukunft ein Hausarzt seinem Patienten einen Facharzttermin vermittelt, bekommt er dafür zehn Euro zusätzlich. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass ökonomischer Druck nicht zu Qualitätsmängeln führt. Momentan gilt: Die Stellen haben eine Woche Zeit, um dem Patienten einen Termin zu beschaffen.

Comments