Zweiter HIV-Patient nach Stammzell-Behandlung virenfrei

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Zum zweiten Mal weltweit ist ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei. Das berichten Wissenschaftler in einem Artikel, der am Dienstag im Fachblatt "Nature" veröffentlicht werden soll und dem SPIEGEL vorliegt. Bei dem "Londoner Patienten" gebe es nun seit fast 19 Monaten kein Anzeichen des Aids-Virus. Hauptautor der wissenschaftlichen Veröffentlichung ist Ravindra K. Gupta, der an der Universität Cambridge, dem Imperial College London und dem University College London arbeitet. "Aber es ist noch zu früh, ihn als geheilt zu bezeichnen". Dies berechtigt zu der Behauptung, dass der Patient von HIV geheilt ist.

Der Mann war an Lymphdrüsenkrebs erkrankt, dem Hodgkin-Lymphom. Für die Therapie mussten die Ärzte ihm Knochenmark transplantieren.

Dem HIV-Patienten konnte Spender-Knochenmark mit einer seltenen genetischen Veränderung transplantiert werden.

Gero Hütter, 2008 behandelnder Arzt des "Berliner Patienten", verwies darauf, dass seit der erfolgreichen Transplantation bei Timothy Ray Brown versucht werde, diesen Fall zu reproduzieren. Ein Baby in den USA habe insgesamt 27 Monate nach der Therapie keine nachweisbare Virusmenge gehabt, danach sei das Virus aber wieder aufgetreten. Seit September 2017, also mehr als eineinhalb Jahre lang, nahm der "Londoner Patient" keine Anti-Retroviren-Präparate mehr ein. Persönliche Angaben zu dem Mann machten die Ärzte nicht, um seine Privatsphäre zu schützen. Das soll jetzt auch bei dem (anonymen) "Londoner Patienten" geschehen sein.

Die bisher einzige dokumentierte "Heilung" eines HIV-Patienten ist der Fall des US-Bürgers Timothy Brown vor rund zehn Jahren.

"Der Bericht zeigt, dass die Heilung des Berliner Patienten von HIV kein singuläres Ereignis war, sondern prinzipiell wiederholbar ist", erklärt Professor Gerd Fätkenheuer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln. "Er ist damit von großer Bedeutung und gibt den Anstregungen von Forschern Auftrieb, die nach Wegen zu einer Heilung von HIV suchen". Durch eine Genmutation bilden die betroffenen Immunzellen einen Rezeptor an der Oberfläche fehlerhaft und somit funktionslos.

Knapp 37 Millionen Menschen weltweit sind mit dem HI-Virus infiziert, 59 Prozent von ihnen erhalten eine antiretrovirale Therapie (ART), die sie jedoch nicht von dem Virus befreit. "Allerdings ist noch völlig unklar, welche Methoden hier am Ende erfolgreich sein können".

Zum zweiten Mal weltweit ist ein Fall bekannt geworden, nach dem ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei ist.

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