AOK:Ärzte bieten Selbstzahlerleistungen vor allem Besserverdienenden an

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Ob ein Patient eine solche Leistung angeboten bekomme, hänge weniger von seinem Alter und dem Gesundheitszustand ab als viel mehr von seinem Portemonnaie, so Klaus Zok, Studienleiter im Forschungsbereich Gesundheitspolitik und Systemanalysen des WIdO.

Den Ergebnissen zufolge besteht ein starker Zusammenhang zwischen Einkommen und Schulbildung der Patienten und dem Angebot des Arztes für eine Igel-Leistung. Dies lasse am medizinischen Nutzen vieler dieser Leistungen Zweifel aufkommen.

IGeL sind Diagnose- und Behandlungsmethoden, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören und deshalb von den Versicherten aus eigener Tasche bezahlt werden müssen.

Bei der vorangegangenen Befragung 2015 hatte das WidO mit einer Angebotsquote von 33,3 Prozent den vorläufigen Peak der privaten Leistungserbringung unter Kassenpatienten ermittelt. 21,6 Prozent der Versicherten mit einem Haushaltseinkommen unter 2000 Euro wurden zuletzt innerhalb eines Jahres von ihrem Arzt auf sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angesprochen.

Dem Institut zufolge ergreifen in 74,7 Prozent der Fälle die Ärzte selbst die Initiative, dem Patienten eine Privatleistung anzubieten. Danach folgen Augenärzte mit 22 Prozent, Orthopäden (13 Prozent), Hautärzte (sechs Prozent) und Urologen (drei Prozent).

Durchschnittlich kostete eine IGeL rund 74 Euro.

Die Glaukom-Früherkennung liegt bei den IGeL-Angeboten der Ärzte weit vorne. Besonders Fachärzte igelten gern, heißt es. Somit bieten Augenärzte im Durchschnitt siebenmal häufiger Zusatzleistungen an als Allgemeinmediziner, Frauenärzte fast fünfmal so häufig.

Zu den Igel-Leistungen zählen Angebote wie Reiseimpfungen, die aus Wido-Sicht sinnvoll sind. Insgesamt am häufigsten werden den WIdO-Analysen zufolge Ultraschalluntersuchungen (26,9 Prozent) angeboten, meist zur Krebsfrüherkennung bei Frauen.

Etwa elf Prozent der IGeL-Angebote entfallen auf Blutuntersuchungen und Laborleistungen sowie rund zehn Prozent auf Medikamente und Heilmittel. Dabei handelt es sich laut WIdO zum Teil allerdings auch um fragwürdige Untersuchungen wie die Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke (14 Prozent) - eine Methode der Krebsfrüherkennung, für die es laut Studien keinen Beleg für einen Nutzen gibt.

Im Umgang mit IGeL-Angeboten müssen Ärzte rechtliche Vorgaben beachten, zum Beispiel den Abschluss einer schriftlichen Vereinbarung mit dem Patienten. Die verpflichtende Rechnung über die erbrachte Privatleistung mit detaillierten Angaben der Leistungsbestandteile und deren Preis hat jeder zehnte Patient nicht erhalten. Immerhin scheinen Ärzte die rechtlichen Vorschriften zur Erbringung von IGeL zunehmend besser zu beachten. So ist der Anteil der IGeL ohne Rechnungsstellung im Vergleich zur WIdO-Umfrage aus dem Jahr 2015 leicht gesunken (2018: 10,0 Prozent; 2015: 11,8 Prozent).

Der WIdOmonitor basiert auf einer bundesweit repräsentativen Erhebung von rund 2.000 Personen ab 18 Jahren, die gesetzlich krankenversichert sind und in den letzten zwölf Monaten bei einem niedergelassenen Arzt in Behandlung waren (ohne Zahnarzt). Die Stichprobenziehung und Durchführung der Telefon-Interviews fanden in der zweiten Jahreshälfte 2018 statt. Unterm Strich bringen die Leistungen den Ärzten laut der Studie rund eine Milliarde Euro pro Jahr ein.

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