Apps senden sensible Gesundheitsdaten an Facebook

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Nachdem das Wall Street Journal berichtet hatte, dass etliche Smartphone-Apps vor allem aus dem Gesundheitsbereich private Informationen der Benutzer ohne deren Zustimmung zu Werbezwecken an Facebook senden, gibt es nun erste Konsequenzen: Der Gouverneur des US-Bundesstaats New York hat eine Untersuchung der Vorgänge eingeleitet.

In Deutschland hatte das Bundeskartellamt Facebook vor wenigen Wochen verboten, Daten aus verschiedenen Quellen ohne explizite Zustimmung der Nutzer zusammenzuführen.

Mindestens 11 der 70 vom Wall Street Journal getesteten Apps übermittelten sensible Benutzerdaten an Facebook, darunter sechs der 15 beliebtesten Gesundheits- und Fitness-Apps. Aber auch gespeicherte Preise bei Wohnungssuchen gehören dazu.

Apple scheint hier in der Pflicht zu sein, App-Anbietern aufzuerlegen, dass sie alle ihre Partner, mit denen sie Daten austauschen, offenlegen und Mechanismen einzubauen, mit denen vom Nutzer festgelegt werden kann, welche personenbezogene Daten nicht verschickt werden dürfen.

Bei elf davon seien sensible Daten weitergegeben worden. Eine Möglichkeit, die Datenweitergabe in den Apps zu unterbinden, soll nicht bestanden haben. Experten sagten laut dem Bericht, dass diese Praxis in Europa gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstoßen könne. Die Daten werden über eine Entwicklerschnittstelle weitergeben, die personalisierte Facebook-Werbung ermöglichen soll. Genannt wurde etwa die App Flo, mit der Frauen ihre Menstruation und ihren Eisprungzyklus überwachen, jedoch auch Hilfe bei einem Schwangerschaftswunsch erhalten können. Diese Information erhält Facebook dem Bericht zufolge auch. Dem Bericht zufolge enthält dieses sowohl Informationen zu dem Gerät, auf dem die Nutzerin die App installiert hat, als auch die Daten, die Flo sammelt - etwa zum Eisprung der Nutzerin.

In einem internen Dokument, das als "besonders geheim" gekennzeichnet sei, werde ausgeführt, wie Facebook plane, Ortungsdaten von Android-Geräten mit anderen Daten zu verbinden. Der Konzern werde aber untersuchen, welche Apps gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen und entsprechende Schritte einleiten, sagte die Sprecherin. Diese würden es verbieten, "Gesundheits- oder Finanzdaten oder andere Arten sensibler Informationen" an Facebook zu senden. Das Unternehmen habe deshalb die betroffenen App-Anbieter angewiesen, solche Informationen nicht mehr weiterzugeben.

In der gleichen Veröffentlichung seien auch 60 Seiten "unredigierte Beweismaterialien" eines Gerichtsverfahrens zwischen Facebook und dem App-Entwickler Six4Three gepostet worden, schreibt die englische Zeitung auf ihrer Webseite.

In der Vergangenheit hatte es bereits ähnliche Auswertungen gegeben, die zeigten, wie verschiedene Apps Daten an Facebook weitergeben. Das geht aus Recherchen des Wall Street Journals hervor. In den USA ermitteln Behörden, weil Facebook der Politik-Datenfirma Cambridge Analytica Zugriff auf die Daten von Millionen Nutzern gewährte. Denn das Unternehmen wurde zuletzt immer heftiger wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten kritisiert.

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