AKTIE IM FOKUS 3: Leoni-Aktie kommt nach Gewinnwarnung unter die Räder

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Der Autozulieferer und Kabelspezialist Leoni will nach einem überraschend schwachen Jahresgewinn die Dividende streichen.

Vor gut einem Jahr hatte die Leoni-Aktie bei gut 66 Euro ein Rekordhoch erreicht.

Das Unternehmen rechnet nicht mehr mit dem Erreichen der bisherigen Mittelfristziele für 2020. Die Aktie stürzte am Freitag zeitweise um mehr als ein Viertel ab und markierte den niedrigsten Stand seit Herbst 2011. Unter anderem seien Einsparziele nicht erreicht worden und die Anlaufkosten im neuen mexikanischen Werk seien höher als geplant ausgefallen, hieß es. "Unseren internen Berichtssystemen fehlt es klar an Transparenz", musste Finanzchef Karl Gadesmann gegenüber den Analysten eingestehen. Angepeilt hatte Leoni für 2018 rund 196 Millionen Euro Ergebnis vor Zinsen und Steuern - nun waren es am Ende laut vorläufigen Zahlen nur 144 Millionen Euro, ein Rückgang von mehr als einem Drittel.

Die Investmentbank Oddo BHF stufte Leoni nach Zahlen zum vierten Quartal sogar von "Neutral" auf "Reduce" ab und senkte das Kursziel von 35 auf 22 Euro. "Es war zwar zu erwarten, dass Leoni seine Ziele nicht erreichen wird, aber das Ausmaß ist alarmierend", schrieben die Experten der Bank Hauck & Aufhäuser in einem Kurzkommentar. Das Ebit werde sogar noch einmal auf 100 bis 130 Millionen Euro sinken. Es zeige, dass es dem Unternehmen ein Stück weit am Zugriff auf die eigenen Aktivitäten mangele.

"Das Unternehmen hat größere Probleme als gedacht", pflichtete ihm Analyst Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe bei. Grund waren die Schwäche des wichtigen chinesischen Automarktes, die Verunsicherung von Autokäufern durch die aktuellen Handelskonflikte und die Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP in Europa. Das Unternehmen habe in seiner Fremdfinanzierung keine Vereinbarungen (sogenannte "Covenants") geschlossen, die die Finanzierung abhängig von aktuellen Geschäftszahlen erschweren könnte, sagte Finanzchef Gadesmann. Mit Blick auf den Zahlungsmittelfluss und die Verschuldungslage will Leoni die Dividende ausfallen lassen. Im vierten Quartal lag der Erlös bei 1,2 Milliarden Euro.

Der Umsatz lag 2018 mit 5,1 Milliarden Euro etwas höher als im Vorjahr. Im laufenden Jahr soll er auf rund 5,2 Milliarden Euro klettern.

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