Fall Asia Bibi - Oberstes Gericht bestätigt Freispruch

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Das Oberste Gericht in Islamabad hat am Dienstag einen Berufungsantrag gegen den Freispruch Bibis für unzulässig erklärt. Asia Bibi wurde von ihrem Anwalt Saiful Malook vertreten, der eigens aus seinem Exil in Europa zurückgekehrt war. Menschenrechtler hätten deshalb umgehend eine Ausreiseerlaubnis für die Christin gefordert, heißt es. Einem unbestätigten Bericht zufolge sind ihre Kinder bereits nach Kanada geflohen. Als ein mögliches Aufnahmeland ist Deutschland im Gespräch. Die Katholikin war 2010 in Pakistan zum Tode verurteilt worden. Die Christin hatte die Vorwürfe stets bestritten. Einer Ausreise von Asia Bibi und ihrer Familie steht nun rechtlich nichts mehr im Wege. Dieser sprach die Christin im vergangenen November frei.

Der radikale Kleriker Khadim Rivzi von der Islamistenpartei Tehreek-e-Labbaik (TLP) forderte die Entlassung der Richter und den Tod der zweifachen Mutter. Nach dem Urteil hatten Islamisten mit gewaltsamen Protesten eine Vollstreckung der Todesstrafe verlangt. Die Kundgebungen und Blockaden hörten erst auf, nachdem die Regierung und die TLP ein Abkommen geschlossen hatten, das auch einen Revisionsantrag gegen das Urteil vorsah. Islamisten hatten den Antrag eingereicht, nachdem ein vor acht Jahren verhängtes Todesurteil gegen Bibi im Oktober aufgehoben worden war. "Damit kann sie mit ihrer Familie aus Pakistan ausreisen", freute sich Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio Aachen, über die Entwicklung des Falles. Deutschland ist mit anderen europäischen Ländern bereit, eine Aufnahme zu ermöglichen. In der Entscheidung des obersten Gerichts sieht er ein "gutes Zeichen für den Rechtsstaat und den Mut der Richter in Pakistan". Viele Abgeordnete aus meiner Fraktion und christliche Organisationen haben sich für die Freilassung der Christin eingesetzt. Der Richterspruch vom Dienstag dürfte den jahrelangen Rechtsstreit beenden und die Voraussetzung dafür schaffen, dass Bibi das Land verlassen kann.

Auch das katholische Hilfswerk missio Aachen begrüßt das Signal, dass Staat und Justiz in Pakistan den Schutz religiöser Minderheiten tatsächlich garantieren wollten. Pakistanische Politiker scheuen sich davor, die kontroversen Blasphemie-Gesetze zu kritisieren, obwohl mit diesen seit ihrer Einführung in den 1980er-Jahren eine Fülle brutaler Morde und unzählige Gefängnisstrafen gerechtfertigt worden sind. Fälle von angeblicher "Gotteslästerung" lösen in dem streng islamisch geprägten Land regelmäßig öffentliche Empörung aus, teilweise verbunden mit Gewalttätigkeiten und auch Lynchjustiz. Weiterhin sei es dringend nötig, die Blasphemiegesetze abzuschaffen oder wenigstens neu zu regeln: "Die Blasphemiegesetze in Pakistan werden missbraucht, um Menschen einzuschüchtern und grundlos anzuklagen". Etwa zwei Prozent der Pakistanis sind Christen.

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