Alzheimer: Bluttest verrät Krankheitsverlauf

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So konnte der Bluttest bei diesen Menschen schon vor Beginn der Symptome eingesetzt und die Ergebnisse daraus beurteilt werden. Doch eines dieser Proteine, ein sogenanntes Neurofilament (NfL), ist vergleichsweise stabil und daher als Biomarker geeignet. In Zukunft könnten demnach auch Leiden wie Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Traumen im Blut feststellbar sein. Ungefähr zwei Drittel davon haben Alzheimer, die häufigste Form der Demenz. Denn mit einem neuen Bluttest sind Alzheimer-Spuren schon lange vor Krankheitsbeginn zu entdecken. "Der Test zeigt aber sehr genau den Krankheitsverlauf an und ist damit ein ausgezeichnetes Werkzeug, um in klinischen Studien neue Alzheimer-Therapien zu erforschen", schließt Jucker. Die derzeit verfügbaren Demenz-Medikamente verlangsamen nur das Fortschreiten der Erkrankung, können sie aber nicht aufhalten.

Und auch deutsche Wissenschaftler haben einen Bluttest zur Früherkennung von Alzheimer entwickelt. Zum anderen würden wohl nur die wenigsten Betroffenen Jahre im Voraus wissen wollen, dass sie an Alzheimer erkranken - zumindest solange es kein Heilmittel gibt.

Die meisten bisherigen Tests basieren auf den sogenannten Amyloid-Proteinen.

Jucker und Kollegen verfolgen aber einen anderen Ansatz. Anders gesagt: "den Tod von Nervenzellen", erklärte Jucker.

Das Prinzip dahinter: Wenn Hirnzellen absterben, lassen sich ihre Überreste im Blut nachweisen. "Normalerweise werden solche Proteine im Blut aber schnell abgebaut und eignen sich daher nicht sehr gut als Marker für eine neurodegenerative Erkrankung", erläuterte Jucker. Diese Neurofilamente finden sich schon lange vor Auftreten der ersten Symptome im Blut und haben einen hohen Aussagewert über die künftige Entwicklung der Erkrankung, heißt es in der Studie. Ein kleines Stückchen eines sogenannten Neurofilaments zeigte sich jedoch als erstaunlich resistent. Die Forscher um Jucker untersuchten jährlich die Konzentration von Neurofilamenten im Blut dieser Probanden.

Die Studie wurde vom DZNE, HIH und dem Uniklinikum Tübingen gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam durchgeführt.

Die Forscher sammelten Daten von 405 Personen, die Teilnehmer des "Dominantly Inherited Alzheimer Network" sind. Louis (USA) sowie weitere Einrichtungen in aller Welt.

Das Verfahren kündigt die Demenz offensichtlich schon bis zu 16 Jahre vor dem berechneten Eintreten der Symptome über den sprunghaften Anstieg eines Stücks Zellschrott im Blut an. Genetische Analysen erlauben recht genaue Vorhersagen darüber, ob und wann ein Familienmitglied an Demenz erkranken wird. Um bessere Behandlungserfolge zu erzielen, wäre es daher wichtig, die Erkrankung schon vor dem Auftreten der ersten spürbaren Symptome diagnostizieren zu können. Entscheidend war dabei nicht die absolute Konzentration, sondern deren zeitliche Entwicklung: In den Jahren vor Auftreten der Demenz stieg die Konzentration besonders stark an, nach dem Ausbruch der Krankheit war die Änderungsrate geringer.

Nicht nur bei Alzheimer, auch im Zuge weiterer neurodegenerativer Erkrankungen kommt es im Blut zur Anreicherung von Neurofilamenten. Die Wissenschaftler konnten sogar den Verlust von Hirnmasse und kognitive Beeinträchtigungen mit Hilfe des Testwertes vorhersagen, die dann zwei Jahre später auch tatsächlich eingetreten waren.

Im Gegensatz dazu war der Zusammenhang zwischen der Neurodegeneration und den toxischen Amyloid-Proteinen weit weniger ausgeprägt.

Diese Beobachtung stützt die Annahme, dass Amyloid-Proteine zwar ein Auslöser der Erkrankung sind, der neuronale Abbau im weiteren Verlauf jedoch unabhängig erfolgt.

Zudem sei die neue Methode etwas, "das leicht in einen Screening-Test in einer Neurologieklinik integriert werden könnte", sagt auch Brian Gordon, Assistenzprofessor für Radiologie am Mallinckrodt Institute of Radiology der Washington University und Autor der Studie. Der Test kann damit den Krankheitsverlauf anzeigen, eignet sich laut Aussage der Forscher aber noch nicht zur Diagnose von Alzheimer.

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