US-Jugendliche erschoss Vergewaltiger: Des Mordes verurteilt, nun begnadigt

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Cyntoia Brown kommt frei. Allerdings ist die Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe gegen eine Jugendliche, die mindestens 51 Jahre Haftstrafe ableisten muss, bevor sie überhaupt für eine Bewährung in Betracht kommen kann, besonders hart.

Cyntoia Brown im Jahr 2006 (l.) und 2013. Darauf zog sie eine Handfeuerwaffe aus ihrer Handtasche und erschoss den 43-Jährigen. Der Gouverneur des US-Bundesstaats Tennessee, Bill Haslam, hat den Forderungen am Montag tatsächlich stattgegeben.

Aus der Wohnung von Allen hat Brown nach ihrer Tat 172 Dollar (150 Euro) gestohlen und war daraufhin mit dessen Wagen davongefahren, um sich mit "Kut Throat" zu treffen. Gouverneur Bill Haslam sprach von einem "tragischen und komplexen" Fall, die Strafe sei "zu harsch" gewesen.

Brown holte hinter Gittern die Highschool nach, liegt in den letzten Zügen ihres College-Abschlusses und hat bereits Arbeitsangebote. Als die Anwälte ihr die Botschaft überbrachten, führte sie einen Freudentanz auf und bedankte sich unter Tränen bei ihren Unterstützern: "Ich werde alles machen, was ich kann, um euer Vertrauen in mich zu rechtfertigen".

Gnade, Milde, Nachsicht, es ist schon eine ziemlich grotesk anmutende Fügung des Schicksals, dass es im Fall von Cyntoia Brown nun ausgerechnet um diese Werte geht, um Milde für eine junge Frau, die bisher ausnahmslos und mit voller Breitseite die harte Wucht des Lebens abbekommen hat und die Unbarmherzigkeit des US-amerikanischen Justizsystems. Ihre Kindheit war von Missbrauch und Drogen geprägt. Im Alter von zwei Jahren wurde sie zur Adoption freigegeben. Sie wurde von einer Pflegefamilie adoptiert, lief dort als Teenager weg, lernte einen Mann kennen, der ihr Freund wurde, aber nicht das war, was Freunde eigentlich sein sollten. Sie holte eine Pistole aus der Tasche und schoss. Die damals 16-Jährige ist bereits vor Wochen von zuhause weggelaufen. Noch Jahre später pochte der damalige Richter Jeff Burks darauf, dass sich Brown lediglich als Sex-Sklavin geriert habe.

Ein Bild, das zum ersten Mal ins Wanken geriet, als der Filmemacher Daniel H. Birman 2011 die Dokumentation "Me Facing Life: Cyntoia's Story" vorlegte. 2016 wurde die Ausstrahlung des sehenswerten Porträts wiederholt, in dem Brown sagt, dass "Schläge, Würgen und Vergewaltigungen" zu seit früher Jugend zu ihrem Alltag gehörten.

Prominente und soziale Medien wurden aufmerksam. Der hashtag #FreeCyntoaiBrown (Lasst Cynthia Brown frei) wurde geboren und eine Petition, die Haftverkürzung forderte, in kurzer Zeit über 100 000 Mal unterzeichnet. Stars wie Rihanna, LeBron James, Snoop Dogg und Cara Delevingne setzten sich für Brown ein.

Auch Kim Kardashian, die sich bei Präsident Donald Trump im vergangenen Sommer erfolgreich für die Begnadigung der seit 1996 wegen Kokainbesitz und Geldwäsche inhaftierten Schwarzen Alice Johnson (63) eingesetzt hatte, legte ihren Promi-Status in die Waagschale.

Sie erschoss ihren Freier, wurde verurteilt - und jetzt begnadigt. Auch viele Prominente dankten dem Gouverneur für die Begnadigung. Haslams Amtszeit endet in wenigen Tagen.

In der Presseaussendung des Gouverneurbüros wird nun ähnlich argumentiert: "Cyntoia Brown beging, nach eigener Aussage, im Alter von 16 Jahren ein schreckliches Verbrechen". Schwarzenegger bezeichnete das Strafmaß als übertrieben und reduzierte es.

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