US-Truppenabzug auch aus Afghanistan

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"Die US-Entscheidung, abzuziehen, ist schockierend und kam überraschend."
"Wirklich?", schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Adam Kinzinger auf Twitter. Die Entscheidung komme einem "im Entstehen begriffenen Desaster" gleich, warnte Senator Lindsey Graham, ein enger Verbündeter Trumps. Trump erklärte den Krieg gegen die IS-Miliz in Syrien für gewonnen - und überraschte damit selbst Regierungsmitglieder und Militärangehörige. Die Entscheidung, aus Syrien abzuziehen, sei keine Überraschung, erklärte Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er trete seit Jahren für einen Abzug aus Syrien ein. Die US-Armee schütze überdies Menschen, die dies "in den meisten Fällen" nicht zu schätzen wüssten.

Es sei jetzt für andere Zeit, zu kämpfen. "Nichts", sagte er damals in der Rede, in der er den US-Truppenabzug ankündigte.

US-Außenminister Mike Pompeo versicherte, die USA würden ihren Kampf gegen den Terrorismus und gegen den IS fortsetzen, "sei es in Syrien oder woanders". Trump hatte das Ende des militärischen Engagements in Syrien damit begründet, dass die Extremistenorganisation IS besiegt sei. Das bedeute nicht, dass die weltweite Koalition im Kampf gegen den IS oder ihre Kampagne beendet sei. Der IS sei schwächer als je zuvor, twitterte Ministerin Florence Parly am Donnerstag. Ein amerikanischer Rückzug zum gegenwärtigen Zeitpunkt, befürchtet er, wäre für den IS "ein großer Sieg". Gab Trump mit seiner Entscheidung einem dringenden Wunsch Erdogans nach? Als "historischen Erfolg" feierte die regierungsnahe Zeitung "Sabah" die Abzugsentscheidung. Auch andere Fragen zu Details ließen sie unbeantwortet.

Die USA haben in Syrien etwa 2.000 Soldaten, die offiziell zur Ausbildung und Beratung der syrischen Oppositionstruppen dort sind. US-Präsident Donald Trump habe das Verteidigungsministerium bereits angewiesen, den Truppenabzug einzuleiten. Kurdischen Quellen zufolge haben die YPG schon damit begonnen, Einheiten ihrer rund 50000 Kämpfer von der IS-Front in Ostsyrien an die türkische Grenze zu verlegen.

Der Mitarbeiter der Denkfabrik erwartet nach einem US-Abzug den langsamen Zerfall der langjährigen amerikanischen Verbündeten, die gegenwärtig noch ein Drittel Syriens beherrschen. Senator Marco Rubio nannte die Entscheidung einen "schrecklichen Fehler", der die Regierung und die USA über Jahre hinweg verfolgen werde.

Der sogenannte "Syrische Demokratische Rat", also der politische Flügel der "Demokratischen Kräfte Syriens", rief am Freitag Frankreich dazu auf, in die Fußstapfen der USA zu treten.

Auch aus seiner eigenen Partei ernten Trump scharfe Kritik. Auch Republikaner im Repräsentantenhaus äußerten sich besorgt und irritiert. Es gibt aber wohl Absprachen zwischen Russland und dem syrischen Regime sowie der Türkei, die untereinander eine Lösung für die Kontrolle über die syrischen Kurdengebiete finden wollen. Diese Truppen würden in einem Gebiet für "Sicherheit" sorgen, das de facto ein amerikanisches Protektorat innerhalb Syriens wäre. Wenn die Türken den nächsten Einmarsch in den syrischen Nordosten starten, stehen ihnen die Amerikaner dort nicht mehr im Weg. Lange Zeit galten die kurdischen Kämpfer als für den Westen verlässliche Bodenkräfte in Syrien - und damit als Ausnahme. Im Osten gehen sie gegen eine der letzten IS-Bastionen vor. Der Miliz drohte er, sie sei "dem Untergang geweiht", sollte sie die USA angreifen. Die SDF-Kräfte haben einen Großteil des früheren Herrschaftsgebietes des IS eingenommen und gehen im Osten des Landes weiter gegen die Jihadisten vor. Der IS habe sich noch am Mittwoch zu einem Anschlag bekannt. Ihre Aufklärungsfotos seien in erster Linie fürs US-Militär bestimmt. Erdogan, dessen Regierung die YPG als Anhängsel der türkisch-kurdischen Separistenpartei PKK sieht, gegen die Ankara einen jahrzehntelangen Antiterrorkampf führt, hat mehrfach damit gedroht, dass eine türkische Intervention gegen die YPG kurz bevorsteht.

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