Krankenkassen für mehr Sprechstunden abends und samstags - Politik

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Das sagte Johann-Magnus von Stackelberg, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die rund 172 000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten vertritt, wies die Forderung vehement zurück. Vielmehr verweigerten die Kassen den Ärzten ausreichend Honorar. "Grundsätzlich richtig" findet der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach die Forderungen der Krankenkassen. Die viele Arbeit außerhalb der traditionellen Kernzeiten dürfe nicht an wenigen Ärzten hängenbleiben, die etwa schon samstags da seien. Lediglich 20 Prozent der befragten Praxen bieten am Mittwochnachmittag Sprechzeiten an, am Freitagnachmittag sind es sogar weniger als 20 Prozent. Es sei kein Wunder, dass immer mehr Menschen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gingen, führte von Stackelberg aus. Dem guten Vorbild, dass rund jede zehnte Praxis zumindest von 19 bis 20 Uhr Sprechstunden anbiete, sollten viele Ärzte folgen, sagte von Stackelberg. Gerade mal zehn Prozent geben an, am Montag, Dienstag und Donnerstag noch bis 20 Uhr Patienten zu empfangen. Nach 19 Uhr sind es je nach Wochentag zwischen 9 und 12 Prozent. Das habe eine Forsa-Umfrage unter niedergelassene Haus-, Kinderärzten sowie Augenärzten, Orthopäden, Gynäkologen und HNO-Ärzten ergeben. Und samstags wird es ganz eng: Nur zwei Prozent der Praxen sind vormittags geöffnet.

Die Krankenkassen mahnten zudem, wenn Ärzte nur die Mindestzahl von derzeit 20 Sprechstunden pro Woche anbieten, dürften sie in dieser Zeit keine Privatpatienten behandeln und keine Privatleistungen verkaufen. Für private Zusatzgeschäfte müssten zusätzliche Termine angeboten werden.

Der KBV-Vorsitzende Andreas Gassen entgegnete: "Die Aussagen des GKV-Spitzenverbands sind ein Schlag ins Gesicht der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und zeugen von der Ferne von Krankenkassenfunktionären zur Versorgung von Patienten".

Die niedergelassenen Ärzte arbeiteten im Schnitt 52 Wochenstunden. Zu den Zeiten, an denen die Praxen geschlossen seien, gebe es den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117. In der Umfrage gaben 99 Prozent der Ärzte an, in den Sprechzeiten auch Privatpatienten zu behandeln. "Das darf nicht so weitergehen", sagte Gassen. "Die Kollegen arbeiten am Limit und oftmals darüber hinaus", sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Die Arztpraxen müssten ihre Öffnungszeiten patientenfreundlicher gestalten. Darüber könne Stackelberg auch gerne am Wochenende nachdenken. Vereinbart sind mit dem Spitzenverband der Kassen mindestens 20 Wochenstunden. Wer Versorgungsengpässe vermeiden wolle, sollte sich für mehr ärztlichen Nachwuchs und attraktive Arbeitsbedingungen einsetzen. Für die Patienten aber sind die knappen Öffnungszeiten ein Problem - ebenso für das medizinische Personal in den Notaufnahmen. Krankenkassen und Ärzteschaft sollten in einem "jährlichen Präsenzbericht" schwarze Schafe entlarven.

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