"Astrid" - Film über Wendejahre einer Ausnahmeautorin

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Ihre Geschichten verkauften sich millionenfach. Astrid Lindgren (1907-2002) gehört zu den bekanntesten Kinderbuchautorinnen der Welt.

Die schwedisch-dänische Schauspielerin Alba August gilt noch als Geheimtipp, sollte nach ihrem wirklich überzeugenden Auftritt als Astrid Lindgren in naher Zukunft aber keine Probleme haben, weitere große Rollen zu ergattern. Die Filmbiografie widmet sich den jungen Jahren der Autorin, die ihr Leben für immer veränderten. Inzwischen lesen mehrere Generationen ihre Bücher, aber von ihrem Leben kennt man höchstens ein paar Fakten. Doch "Astrid" ist kein fröhliches Biopic darüber, wie Lindgren Pippi Langstrumpf erfand oder sich die Geschichte von Ronja Räubertochter ausdachte. Bald beginnt sie eine Affäre mit dem 30 Jahre älteren Mann - von dem sie schwanger wird. Dass dieser Typ, der ständig nur auf Zeit spielt, nicht der richtige für die clevere Astrid ist, merkt man nicht erst, als ihr nächster Chef als "Herr Lindgren" eingeführt wird. Gerade das macht ihre Person mindestens so liebenswürdig wie die zahlreichen Figuren, die die echte Lindgren im Laufe ihres Lebens geschaffen hat. Als Marie schwer erkrankt, nimmt Astrid ihren dreijährgen Sohn zu sich, der seine leibliche Mutter kaum kennt. Dass ihr Vater sie zur Zeitung geschickt hat, ist in dieser Zeit und diesem Milieu sehr ungewöhnlich und für Astrid Lindgren ein Glücksfall, die schon als Schülerin Aufsätze verfasst hat, die für Aufmerksamkeit sorgen. Als sie an einem Tanzabend niemand auffordert, bringt sie das Parkett kurzerhand mit ihrer Freundin allein zum Rocken. Im Haus des Redakteurs lernt sie das Handwerk des Journalisten - schreibt Reportagen, muss Korrekturlesen und kleinere Aufgaben erledigen. Aber da endet der Film auch schon, denn er hat seine Aufgabe erledigt: Er hat gezeigt, durch welche Höllen eine Frau ging, die ihre Kinderbücher mit so viel Humor und Liebe erfüllte. Alleinerziehend, berufstätig und ohne verwandtschaftliche Unterstützung muss sich Astrid im Stockholm der späten 1920er Jahre durchschlagen. Sie lässt ihren Sohn vorerst in Dänemark bei einer Pflegemutter, will ihn aber zu sich holen, sobald es möglich ist. Um Blomberg Schwierigkeiten zu ersparen und den religiösen Eltern die Schande, geht Astrid nach Stockholm und tauscht das Redaktionsvolontariat mit einer Lehre als Sekretärin. Zuhause ist keine Zeit für Musik und Tanz, aber die Eltern (Maria Bonneville, Magnus Krepper) erkennen durchaus, dass ihre Älteste mit Worten besser umgehen kann als mit Kartoffeln, und so darf die junge Frau beim Lokalblatt ihres Heimatorts Vimmerby anfangen. Gleichzeitig kämpft sie um Anerkennung für ihr Kind. Gerade hat sie ihre Zöpfe abgeschnitten, trägt die Haare kurz à la mode, will Spaß, hat aber keine Ahnung von Verhütung.

Astrid Lindgren entspannt mit ihrem Sohn Lasse im Gras
Astrid Lindgren entspannt mit ihrem Sohn Lasse im Gras

In "Astrid" reist nun die dänische Regisseurin Pernille Fischer Christensen zurück in die Jugend der Kinderbuchautorin. Sie zeichnet den Weg der Autorin mit vielen Facetten nach.

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