"Danke, liebe Nazis":Online-Pranger für Rechte war eine Falle

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Die Künstler- und Aktivistengruppe "Zentrum für politische Schönheit" hatte am Montag unter www.soko-chemnitz.de eine Internetseite freigeschaltet, auf der Fotos von mutmaßlichen Teilnehmern der rechten Demonstrationen sowie der Ausschreitungen in Chemnitz zu sehen waren. "Wir bauten eine Webseite mit einem einzigen Ziel: Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar ohne es zu merken", heißt es an die Adresse der "lieben Nazis". Hinter der Suchfunktion von "Soko Chemnitz" verbarg sich ein Honeypot. Die vermeintliche Datenbank mit Fotos von identifizierten Nazis diente demnach dazu, dass Nazis ihren eigenen Namen eingeben sollten um zu kontrollieren, ob über sie Informationen gesammelt wurde. "Danke für das vorzeitige Weihnachtsgeschenk", heißt es weiter.

In nur drei Tagen habe die umstrittene Website rund 2,5 Millionen Besucher gehabt. Die Suchfunktion habe Sucheingaben nach Relevanz gewichtet. Zugleich sei ein riesiger Datensatz entstanden. Die Suchdaten wurden gemäß Datenschutzbestimmung wie bei allen Web-Suchdiensten mitgeloggt. Im Schnitt sei nach 6,72 Freunden oder Bekannten gesucht worden, wie die Gruppe auf der Seite schreibt. Die Aktion war auf heftige Kritik gestoßen. Unter anderem wurden Diskriminierungsvorwürfe und datenschutzrelevante Bedenken gegen das "Zentrum für politische Schönheit" laut. Die Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit sorgte bereits in der Vergangenheit mit provokanten Aktionen für Aufmerksamkeit. Mindestens neun Strafanzeigen wurden laut einem Bericht des "Tagesspiegels" gegen das ZPS eingereicht.

Der Deutsche Kulturrat sprach von einer "problematischen Kunstaktion".

Zudem gab es Hinweise, dass Bilder gegen den Willen der Fotografen genutzt würden. Man habe eine Kooperationsanfrage im Vorfeld ausdrücklich abgelehnt und werde rechtliche Schritte einleiten.

Nach dem gewaltsamen Tod eines Manns Ende August in Chemnitz, der mutmaßlich von Flüchtlingen erstochen wurde, war es zu fremdenfeindlichen Übergriffen und Demonstrationen auch rechter Gruppen gekommen, die teils in Gewalttätigkeiten mündeten.

Das "Zentrum für politische Schönheit" bilanziert nun: "Die Suchanfrage förderte nicht nur jede Menge vollständiger Namen zutage, sondern auch Wahrscheinlichkeitswerte: wenn Du uns einen von 1.500 Namen gibst, die wir schon kennen (insbesondere, wenn er nicht ganz so prominent oder gar nicht bekannt ist), dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du mehr von dem weißt, was wir wissen wollen".

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