Freigesprochene Christian Asia Bibi aus pakistanischer Haft entlassen

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Eine Woche nach der Aufhebung ihres Todesurteils ist die Christin Asia Bibi in Pakistan aus dem Gefängnis freigekommen. "Ich bitte die Premierministerin des Vereinigten Königreichs, uns zu helfen", sagte Ashiq Masih laut dem britischen Sender BBC in einer Videobotschaft. Bereits im Februar war Masih mit seiner Tochter nach Rom gereist und dort von Papst Franziskus empfangen worden.

Die pakistanische Christin Asia Bibi ist frei - und ist damit dem Todesurteil entkommen. Der Deutschen Welle hatte Masih zuvor in einem Interview gesagt, er fürchte um das Leben seiner Frau. Daraufhin hatte die radikalislamische Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) landesweite Demonstrationen und Straßenblockaden organisiert, die tagelang anhielten. Derzeit ist die Frau noch weiter im Gefängnis. Die fünffache Mutter war 2009 festgenommen und im Jahr darauf nach einem umstrittenen Blasphemiegesetz in dem vorwiegend muslimischen Land zum Tode verurteilt worden. Immer wieder kommt es zu Lynchmorden wegen Vorwürfen der Gotteslästerung. Die Frauen warfen ihr später vor, Bibi habe den Propheten Mohammed geschmäht. Fünf Tage später bezichtigte der Dorfprediger Bibi per Lautsprecher der Blasphemie. Das spätere Urteil gegen sie sorgte international für Aufsehen.

Bibi Asias Anwalt, Saif-ul-Malook, gelang bereits die Flucht nach Europa. Der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" sagte der Jurist, er räume einer Neueröffnung des Verfahrens keine großen Chancen ein. In dem Video habe er auch Kanada und die USA um Hilfe gebeten, hieß es.

Indes hat CDU-Menschenrechtsexperte Michael Brand Schutz für Bibi in Deutschland gefordert. Die ganze Regierung habe sich erpressen lassen, sagen pakistanische Menschenrechtler. Nach der Zusicherung der Regierung, eine Revision des Urteils nicht zu blockieren und ein Ausreiseverbot für Asia Bibi zu verhängen, beendete die TLP zunächst die Proteste. Sie müsse zum Schutz auch einen Platz in Deutschland finden können. Wie die Tageszeitung "Dawn" berichtete, war Asia Bibi am Mittwochabend nach Islamabad geflogen und in der pakistanischen Hauptstadt zu einem sicheren Aufenthaltsort gebracht worden. Im Juli 2015 ordnete ein Gericht die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung der Todesstrafe an. Das erneute Berufungsverfahren war in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert worden. Radikale Islamisten sind in Pakistan die einflussreichste politische Kraft.

Blasphemie gilt im mehrheitlich islamischen Pakistan als Kapitalverbrechen. In der Praxis werden unter Blasphemie verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden.

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