Experten - Trump könnte Handelsstreit nach US-Wahl verschärfen

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Washington - US-Präsident Donald Trump hat bei den Kongresswahlen in den USA die Mehrheit im Repräsentantenhaus eingebüßt, kommt aber mit vergleichsweise moderaten Verlusten davon.

Trump selbst twitterte denn auch um kurz nach 23 Uhr Ortszeit aus dem Weißen Haus: "Großartiger Erfolg heute Nacht". Das finstere Kapitel Trump ist mit diesen Wahlen jedenfalls noch lange nicht erledigt.

Ganz wird Trump allerdings nicht am Kongress und vor allem am Repräsentantenhaus vorbeikommen.

Mehr noch: Seine Schwäche ist entblößt. Der Republikaner hat mit der amerikanischen Tradition gebrochen und seine Steuererklärungen nicht veröffentlicht. Sie gehörte zwischen 2007 und 2017 dem Repräsentantenhaus von Georgia als Abgeordnete an und war dort ab 2011 auch Vorsitzende der demokratischen Fraktion. Und je nachdem, was daraus ersichtlich wird, können sie Trumps Finanzgebaren und mögliche Verbindungen nach Russland in Untersuchungsausschüssen durchleuchten. Gleiches gilt voraussichtlich für das zweite Paket mit grossen Steuerkürzungen, mit dem Trump im Wahlkampf geworben hat. Doch diesmal ließ ihn sein Instinkt im Stich. Anfänglich hatten die Märkte in Japan und China noch mit Gewinnen auf die sich andeutende Teilniederlage der Republikaner bei der Kongresswahl reagiert.

Zusammenarbeit: Ein geteilter Kongress kann für Republikaner wie Demokraten auch die Chance bieten, Dinge gemeinsam anzupacken, beispielsweise um die Kosten für Medikamente zu senken oder aber die Infrastruktur im Land auf Vordermann zu bringen. Auch wenn viele Wähler in den Städten und wohlhabenden Vororten von Trumps aggressivem Politikstil abgeschreckt werden, so kommt er damit in bestimmten Teilen des Landes eben gleichzeitig gut an. Diese bunte Koalition half den Demokraten in manchen urbanen Hochburgen, es reichte aber nicht für einen klaren Erfolg. Mehrere Demokraten hatten vor der Wahl erklärt, man werde sich im Fall eines Sieges im Repräsentantenhaus schnell und tiefgreifend mit mehreren Vorwürfen gegen ihn befassen, etwa seinem Steuergebahren und seinen Geschäftsbeziehungen zu Russland. Wer kann da am besten punkten, wo die Demokraten schwach sind? Zum Beispiel bei weißen Männern in weniger urbanen Regionen?

Donald Trump bei einem Auftritt am Montag in Indiana.

Die "Süddeutsche Zeitung" sieht in dem Ergebnis zwar einen Teilerfolg für die Demokraten, aber auch eine Bestätigung für Trumps Politik-Stil. In US-Kommentaren wurde davon ausgegangen, dass er seine politische Linie und seinen politischen Stil in den nächsten zwei Jahren fortsetzen wird. Sie dürfen abstimmen, sobald sie ihre Strafe abgesessen haben und auch nicht mehr auf Bewährung sind.

Die Demokraten sind im Aufwind Die Demokraten holen bei den Midterm-Wahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus.

Trump griff am Mittwoch auch wieder die ihm gegenüber kritischen Medien an. Unter anderem bei der Haushaltsplanung kann Trump in Zukunft mit einer Blockade rechnen. Denn schließlich zählt nur ihr persönliches politisches Überleben.

Vor den Midterms hatte es bitterböse Orakel gegeben.

Die liberale "New York Times" hebt die Erfolge weiblicher Kandidaten und von Minderheitenvertretern bei dieser Wahl hervor. Schließlich könnte Trump - wie sein Vorgänger Barack Obama - seine Pläne per Dekret am Kongress vorbei durchboxen.

Bei den Wahlen zum Senat, die überwiegend in Staaten stattfanden, die Trump 2016 gewann, ging der Wahlkampf aus Hass und Angst auf. Bei den Zwischenwahlen vor vier Jahren hatten nur rund 83 Millionen US-Bürger ihre Stimme abgegeben, was einer Beteiligung von knapp 37 Prozent entsprach.

Auch über seine Entlassung gab es immer wieder Spekulationen. Sowohl für das Repräsentantenhaus als auch für den Senat und die Gouverneursposten kandidierten 2018 mehr Frauen als je zuvor. Vor allem findet sich die Rekordzahl von über 100 Frauen im Kongress wieder, von denen die meisten für die Demokraten angetreten sind. Für einen solchen Schritt hätten die Demokraten nun eine Mehrheit.

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