Diesel Nachrüstungen: Deutsche Autobauer zu 3000 Euro bereit

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BMW will mit der gleichen Summe die Halter älterer Diesel unterstützen - etwa für einen Kauf von Gebrauchtwagen.

Scheuer wollte Daimler, VW und BMW beim Diesel-Gipfel von der Übernahme der kompletten Nachrüstkosten überzeugen, um Fahrverbote in Städten zu verhindern.

BMW wiederum lehnt Hardware-Nachrüstung seiner älteren Dieselautos auch nach dem Treffen weiterhin strikt ab - und erhält dabei Rückendeckung von den Arbeitnehmern. Bisher hatte der Konzern einen Betrag von 2.400 Euro je Nachrüstung angeboten. Die Zusage gelte für die 15 Städte in Deutschland, in denen Schadstoff-Grenzwerte besonders stark überschritten werden. "Eine Hardware-Nachrüstung trägt - wenn überhaupt - viel zu spät zur Verbesserung der Luftqualität bei", sagt Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich.

Serienreife Nachrüstsysteme seien selbst bei einem beschleunigten Zulassungsverfahren durch das Kraftfahrt-Bundesamt frühestens 2021 verfügbar. Das sei - neben der bereits laufenden Software-Aktualisierung - die aktuell einzig verfügbare Maßnahme mit Breitenwirkung.

Auch bei VW ist man zurückhaltend. "Das technische, finanzielle und juristische Risiko von Nachrüstungen darf aber nicht bei den Dieselbesitzern liegen". Darüber hinaus werde man seinen Kunden die Umrüstung weder anbieten, noch empfehlen. Damit die Luft sauberer wird, gibt es in Hamburg bereits Streckensperrungen für ältere Diesel.

Der fünfte Diesel-Gipfel sollte am Donnerstag endlich den Durchbruch bringen.

Der Diesel-Kompromiss stößt bei Verbraucherschützern auf scharfe Kritik. Die einen seien nicht gekommen und andere Hersteller böten auch nach 5 Stunden wenig Neues. Jetzt gelte es, mit ausländischen Herstellern zu verhandeln.

Auch Verbraucherschützer reagierten enttäuscht. "Dass Politik und Hersteller sich nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen konnten, ist für die Betroffenen wieder mal unbefriedigend", sagte die Verkehrsexpertin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands (VZBV), Marion Jungbluth, dem Handelsblatt.

Klarheit und Rechtssicherheit blieben auch bei dieser Einigung "auf der Strecke", sagte Jungbluth weiter.

Die große Koalition hatte im Kampf gegen Fahrverbote wegen der Stickoxid-Belastung (NOx) Anfang Oktober ein Paket aus Umtauschprämien für neuere Autos und die sogenannte Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Industrie beschlossen. Das "unwürdige Geziere" der Hersteller gegen Hardware-Nachrüstungen sei zwar offensichtlich geknackt worden.

Laut dpa-Informationen sind die Cheflenker von VW und BMW nicht persönlich in Berlin erschienen, sondern lassen sich vertreten. Allerdings weigern sich die Hersteller bisher, die vollen Kosten zu übernehmen, wie die Regierung es fordert. Verkehrsminister Scheuer ging darauf nach dem Treffen mit den Autobossen nicht näher ein. Lediglich Daimler Boss Dieter Zetsche ist bei den Verhandlungen anwesend. Die Autoindustrie habe einen "riesigen Nachholbedarf", Vertrauen zurückzugewinnen und ihr Image zu verbessern, hatte er am Dienstagabend bei einer Veranstaltung beim Auto-Branchenverband VDA gesagt. In vielen Städten werden vor allem wegen Diesel-Abgasen Schadstoff-Grenzwerte überschritten. Dies entschied das Kölner Verwaltungsgericht am Donnerstag nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

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