TV-Tipp: Tatort: Der Mann, der lügt

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Nicht die Ermittler selbst nahmen das Publikum an der Hand und führten es durch den Film, sondern der Tatverdächtige selbst. Die beiden Autoren mögen zwar eine gewöhnliche Geschichte erzählen, aber sie tun das auf unkonventionelle Weise: Zentrale Figuren sind nicht die Ermittler Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare), sondern die Titelfigur, "Der Mann, der lügt".

Lannert und Bootz feiern an diesem Sonntag in Stuttgart ihr zehnjähriges Tatortjubiläum und bekommen dabei erstaunlich wenig Bildschirmzeit. Zum Jubiläum haben sich die Tatort-Macher etwas Besonderes ausgedacht: Der Krimi ist komplett aus der Perspektive des Verdächtigen erzählt. Daraus entstehe ein interessantes Spannungsverhältnis. Die beiden Kommissare werden ausschließlich so geschildert, wie der sich in immer größere Widersprüche verwickelnde Verdächtige sie erlebt.

Ein Konzept, dass natürlich auch für die beiden Hauptdarsteller Neuland bedeutete: Im Prinzip verkörpern nämlich weder Richy Müller, noch Felix Klare die Hauptrolle in diesem gänzlich ungewöhnlichen "Tatort". Was sagen die Kommissare zu der neuen Rolle? Sein Kollege Richy Müller empfindet das Experiment "sehr spannend": "Für den Zuschauer wird es unterschiedlich in seinen Sehgewohnheiten werden".

Gibt es solche speziellen Verhörräume wirklich?

Kurz vor dem Finale führen die Kommissare Jakob Gregorowicz in einen hochmodernen Vernehmungsraum. Ein weiterer Ermittler sitzt ausserhalb des Gesichtsfeldes - fast alles so, wie auch im neuesten "Tatort".

Nein, hier unterlief den Machern offenbar ein Fehler. Je mehr seine Aussagen aber mit der Realität abgeglichen werden können, desto schwieriger und auch aussichtsloser wird die Lage für Jakob Gregorowicz. Unter anderem dürfen sie in Baden-Württemberg gemäss §10 JVollzGB ihre eigene Kleidung tragen, in anderen Bundesländern gelten ähnliche, entsprechende Regelungen der jeweiligen Justizvollzugsgesetze. Plötzlich sind Lannert und Bootz distanzierte Cops, die freundlich, aber bedrohlich ins Leben eines Verdächtigen eindringen, der mit dem wachsenden Misstrauen seines Umfelds leben lernen muss. Diese polizei-psychologischen Spielchen gehen auch dem Zuschauer an die Substanz.

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