Goldener Windbeutel 2018: Foodwatch sucht die dreisteste Werbelüge

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Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Kinderkeks der Firma Alete.

Ob zu viel Zucker, zu viel Fett oder mit leeren Versprechungen: Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelindustrie mit publikumswirksamen Aktionen unter Druck zu setzen und so für andere - aus ihrer Sicht bessere - Produkte auf dem Markt zu kämpfen. Foodwatch vergibt seinen Negativpreis dieses Jahr bereits zum achten Mal. Verbraucher können im Internet bis zum 2. Dezember über den "Gewinner" abstimmen.

"Von Gesundheitsschwindel bis Elternabzocke: Im hart umkämpften Lebensmittelmarkt lassen sich die Hersteller immer wieder neue Tricks einfallen, um den Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen", sagt Sophie Unger von Foodwatch, Wahlleiterin für den "Goldenen Windbeutel". Vielmehr müssten Hersteller Produkte ehrlich und leicht verständlich kennzeichnen, etwa durch eine Nährwert-Kennzeichnung in den Ampelfarben.

Zum Beispiel über ein Bratöl des Bioherstellers Dennree, zu dem unter anderem auch die Kette Denn's gehört. Auf dem Produkt wirbt man optisch mit einer großen Olive. Dabei ist es in Wahrheit zur Hälfte mit günstigerem und weniger hochwertigem Sonnenblumenöl gestreckt. Verbraucherin Nadine Z. hat das Produkt deshalb auf der Schummelmelder-Plattform eingereicht und kritisiert: "Der Name Bratöl Olive suggeriert einem, dass es sich ausschließlich um Olivenöl handelt". Nur 51 Prozent sind tatsächlich Olivenöl. Erlaubt ist die Bezeichnung aber laut einer EU-Verordnung trotzdem.

Die Kritik ist auch nicht neu. Doch der Hersteller verteidigte sich. Die auf dem Etikett dominierende Darstellung von Oliven erklärt das Unternehmen damit, dass das Öl die klassischen geschmacklichen Eigenschaften eines Olivenöls besitze.

Kandidat Nr. 5: Corny Milch von Schwartau Hersteller Schwartau bewirbt seinen Corny-Riegel wie eine gesunde Zwischenmahlzeit mit Aussagen wie "ideal für den kleinen Snack mit Milch zwischendurch" oder "mit dem Plus an Calcium". Das Fazit von Verbraucher Holm T., der den Riegel auf Schummelmelder.de hochgeladen hat: "Das Produkt ist damit alles andere als gesund, sondern eine gewaltige Schummelei".

Denn die dafür notwendigen Nährwertprofile seien bis heute nicht eingeführt worden.

Insgesamt dringt Foodwatch auf schärfere gesetzliche Vorgaben gegen Etikettenschwindel bei Lebensmitteln.

Erbseneintopf von "Gut und Günstig". Der simple Trick bei der Herstellung: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen.

Kandidat Nr. 3: Erbsen Eintopf Gut und Günstig von Edeka Der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke Gut und Günstig kommt naturbelassen daher - auf der Vorderseite der grünen Dose verspricht Edeka werbewirksam "Garantiert ohne: geschmacksverstärkende Zusatzstoffe und Farbstoffe" und suggeriert damit eine traditionelle Herstellungsweise. Edeka bezeichnete die Kennzeichnung als "korrekt und keineswegs irreführend".

Mit diesem Produkt werden Eltern abgezockt, kritisieren Foodwatch und Verbraucherin Franziska C. Der Ketchup speziell für Kinder hat die gleichen Inhaltsstoffe wie die Version für Erwachsene - in eine schöne rote Kinderverpackung abgefüllt kostet er aber 40 Prozent mehr. Auch weisen die Verbraucherschützer darauf hin, dass laut Weltgesundheitsorganisation gezuckerte Ketchups überhaupt nicht für Kinder beworben werden sollten. Stimmen Sie ab, welche der fünf Mogelpackungen dieses Jahr den Negativpreis "Goldener Windbeutel 2018" bekommen soll. Das Glacéau Smartwater ist das einzige Produkt aus der Liste, das kein Verbraucher vorgeschlagen hat, sondern Foodwatch selbst. Verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt.

Laut der deutschen Mineral- und Tafelwasserverordnung also eine Mischung aus Mineral- und Leitungswasser oder nur einem der beiden Bestandteile gemischt mit mindestens einer weiteren Zutat wie Natursole, Meerwasser oder Kochsalz beziehungsweise einen Zusatzstoff wie Magnesiumcarbonat. Für Foodwatch eine dreiste Abzocke, weil das Wasser zudem als Tafelwasser klassifiziert sei.

Zur Abstimmung auf der Website von Foodwatch.

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