Ermittler durchsuchen Räume des Vermögensverwalters Blackrock

Einstellen Kommentar Drucken

Ermittler der Kölner Staatsanwaltschaft haben einem Insider zufolge am Dienstag Räume des Vermögensverwalters Blackrock in München durchsucht. Über die Vorgänge hatte zuerst die Boulevardzeitung "Bild" berichtet. Blackrock erklärte schon letzte Woche, man habe weder solche Cum-Ex- noch Cum-Cum-Geschäfte aufgebaut und sei auch nicht daran beteiligt. Er bestätigte den Bericht nicht, dementiert ihn aber auch nicht. Die Staatsanwaltschaft Köln wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Der Zeitpunkt der Durchsuchung ist brisant: Der Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland, Friedrich Merz, hat vor wenigen Tagen angekündigt, sich um die Nachfolge von CDU-Chefin Angela Merkel zu bewerben. Merz steht im Wettbewerb mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er ist erst seit dem Frühjahr 2016 Aufsichtsratschef für den deutschen Ableger von Blackrock.

Friedrich Merz hatte sich zuletzt in der "Süddeutschen Zeitung" ausdrücklich von dieser Art von Steuerspargeschäften distanziert, wie sein Sprecher betonte. "Aktiengeschäfte wie Cum-Ex und Cum-Cum dienen letztlich dazu, die Steuerzahler auszunehmen", sagte Merz. Die Geschäfte seien "vollkommen unmoralisch", unabhängig von der juristischen Bewertung. Beamte der Kölner Staatsanwaltschaft rückten am Münchner Unternehmenssitz der Fondsgesellschaft an und durchsuchten Geschäftsräume nach Material im Zusammenhang mit Aktiengeschäften zulasten der Staatskasse. Die passiven Fonds bilden Indizes nach. Die Wertpapiere wurden zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben, so dass die Steuerbescheinigungen für Kapitalertragsteuern mehrfach ausgestellt wurden, aber so gar nicht gezahlt wurden.

Womöglich haben die Akteure einen Weg gefunden, diese von Blackrock verwalteten Aktienpakete für das Geschäft zu nutzen, das auf eine Erstattung von Dividendensteuern abzielte, die überhaupt nicht abgeführt wurden. Daneben laufen unter anderem Ermittlungen gegen die Privatbanken J. Safra Sarasin und M.M. Warburg.

Bislang waren im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften vor allem Banken ins Visier der Ermittler geraten, etwa die Commerzbank, die spanische Santander oder die australische Macquarie. So war ein lukratives Geschäftsmodell entstanden, auf Kosten der Steuerzahler in Deutschland und in weiteren europäischen Staaten. Der Schaden für den deutschen Fiskus wird von Ermittlern auf mehr als zehn Milliarden Euro geschätzt. Federführend ermittelt in der Sache Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker.

Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt.

Friedrich Merz hat sich lange Zeit um den Vermögensverwalter verdient gemacht. In Deutschland arbeiten rund 150 Leute für Blackrock. Die Amerikaner sind die weltgrößten Anbieter dieser sogenannten ETFs.

Comments