Patrick K. aus Gießen verurteilt: Sechs Jahre und drei Monate Türkei-Knast

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Auch deutsche Staatsbürger sind inhaftiert, darunter Patrick K. Die Inhaftierung des "Welt"-Reporters Deniz Yücel oder des Menschenrechtlers Peter Steudtner hatten im vergangenen Jahr die Beziehungen der Türkei zu Deutschland schwer belastet". Sein Mandant sei "sehr traurig", so der Anwalt. "Wir werden uns dieses Urteil sehr genau ansehen", sagte Altmaier in der deutschen Botschaft in Ankara zum Abschluss seines zweitägigen Besuchs in der Türkei. Die zweite Verhandlung hatte weniger als eine Stunde gedauert. Vor drei Wochen wurde der Prozess gegen ihn eröffnet. Es ist in der Türkei allerdings durchaus üblich, das detaillierte Urteilsbegründungen später nachgereicht werden. Diese ist ein Ableger der PKK, die in der Türkei und in Europa als Terrororganisation gilt.

Kraicker selbst bestreitet die Vorwürfe. Laut Anklageschrift soll Patrick K. auch Reiserouten innerhalb Syriens geprüft haben, zudem soll sich auf seinem Handy ein Bild befunden haben, worauf die YPG gepriesen werden, wie die Tagesschau weiter berichtet. Er gab an, er sei zum Wandern in die Region gekommen und dort aus Versehen in ein militärisches Sperrgebiet geraten.

Fehlende Unterstützung bemängelt auch der stellvertretende Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, der Gießener Mehmet Tanriverdi: "Auch in diesem Fall wird deutlich, dass die deutsche Außenpolitik nicht in der Lage ist, seine Bürger vor dem Unrechtsregime in der Türkei zu schützen". Der Verhandlung im südosttürkischen Sirnak war er per Videoleitung zugeschaltet gewesen. "Patrick kämpft seit Wochen mit einer Mittelohrentzündung, und er hat drei Zähne verloren". Sie mache sich auch Sorgen um seine Gesundheit.

Kraickers Mutter, Claudia S., berichtet von schweren gesundheitlichen Problemen, die ihr Sohn durch die Haft habe. Das Auswärtige Amt verwies auf die Ausführungen ihres Sprechers in der gestrigen Pressekonferenz: "Selbstverständlich wird Herr K. weiterhin konsularisch betreut". Außerdem wurde ihm das "Betreten einer militärischen Sperrzone" im türkisch-syrischen Grenzgebiet vorgeworfen, wo er festgenommen worden sein soll.

Ein angeblicher Zeuge sollte am zweiten Verhandlungstag aussagen.

Im ersten Prozesstag am 5. Oktober wurden von einem Mitinsassen neue Anschuldigungen hervorgebracht. Er will Kraicker im Januar und Februar in einem syrischen Krankenhaus als Arzt gesehen haben. Die Staatsanwaltschaft verweist auch auf eine angebliche E-Mail, in der er Kontakt mit der YPG aufgenommen und sich als Kämpfer angeboten haben soll.

Laut Anklage soll Patrick K. zudem ausgesagt haben, er sei in Deutschland von zwei Personen dazu verleitet worden, sich der YPG anzuschließen. Er habe erst nach seiner Festnahme erfahren, dass diese eine Terrororganisation sei.

K.s Familie sei geschockt, sagte eine Freundin am Telefon. Seine Mutter vermutete hingegen, ihr Sohn habe alles unterschrieben, was ihm beim Verhör vorgelegt worden sei, zumal er die Sprache nicht spreche.

Der Gerichtstermin fällt zusammen mit einem Besuch von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), in den die türkische Regierung wegen der Konjunkturkrise im Land große Hoffnungen setzt. Altmaier sagte am Donnerstag, er wolle auch die schwierige Menschenrechtslage in der Türkei ansprechen.

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