P&R-Gläubiger brauchen nach Milliardenbetrug Geduld

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Zu diesem nicht-öffentlichen Gerichtstermin im Insolvenzverfahren für die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs GmbH, Grünwald, hatten sich ursprünglich über 4.000 Gläubiger (Anleger) angemeldet.

Einer der ersten Beschlüsse der Gläubiger: Sowohl Insolvenzverwalter Jaffé, als auch der vom Amtsgericht München eingesetzte Gläubigerausschuss, der aus sieben Vertretern der maßgeblichen Gläubigergruppen besteht, wurden von der Versammlung bestätigt. "Wenn wir wie geplant bei unserem mehrstufigen koordinierten Verwertungskonzept vorankommen, erscheint eine erste Zahlung an die Gläubiger im Jahr 2020 möglich" so Dr. Jaffé.

P&R hatte bei den Anlegern 3,5 Milliarden Euro eingesammelt.

Die P&R-Pleite könnte mit einem möglichen Schaden von bis zu zwei Milliarden Euro nach dem Flowtex-Skandal der 1990er Jahre der zweitgrößte Betrugsfall seit 1945 sein.

P&R-Firmengründer Heinz R. sitzt in Untersuchungshaft. Insgesamt plant Insolvenzverwalter Jaffé innerhalb einer Woche vier Gläubigerversammlungen, jeweils eine für die vier deutschen P&R-Gesellschaften.

Die "Bürgerbewegung Finanzwende" des Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick wirft unterdessen der Finanzaufsicht Bafin schwere Versäumnisse vor. Daher sei es wichtig, die P&R-Gesellschaft in der Schweiz nicht ebenfalls in die Pleite rutschen zu lassen. So hatte etwa die "Stiftung Warentest" im Sommer 2017 ausführlich auf Merkwürdigkeiten hingewiesen.

Vom Münchner Millionärsvorort Grünwald aus verkaufte P&R Schiffscontainer an Privatanleger. Viele P&R-Kunden sind Rentner und Pensionäre, die ihre Altersvorsorge aufbessern wollten. Dann wurden die Container an Frachtunternehmen vermietet, um die Rendite für die Anleger zu finanzieren. Statt jedoch Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen, was nach den Erkenntnissen Jaffé bereits im Jahr 2010 hätte erfolgen müssen, wurden die fälligen Auszahlungen an die Anleger durch Neuanlagegelder "refinanziert". Der mögliche Schaden liegt bei bis zu zwei Milliarden Euro. Die Bafin selbst warnt Anleger davor, dass es am grauen Kapitalmarkt keine Einlagensicherung und keine Kontrolle der Bilanzen gibt. Die Behörde kontrolliert aber ausdrücklich nicht, ob die Angaben richtig sind oder das dahinter stehende Geschäftsmodell tragfähig. An die Anleger verkauft wurden die Container in Deutschland von vier P&R-Gesellschaften. Als Anhaltspunkt nannte Jaffé die - unter der Voraussetzung eines weiterhin ungestörten Vermietungs- und Verwertungsprozesses - von der Schweizer P&R erzielbaren Einnahmen. Damit unterliege sie auch nicht dem direkten Zugriff des deutschen Insolvenzverwalters. Dazu bedürfe es aber einer ausgeklügelten Verwertungsstrategie der noch vorhandenen rund 628.000 Container.

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