IWF-Chefin Lagarde geht auf Distanz zu Trump

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Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Handelsstreit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China, den US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochen hat.

IWF-Chefin Christine Lagarde erteilte Trumps Wirtschaftspolitik und den Angriffen umgehend eine deutliche Abfuhr, als sie die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank eröffnete. Das System des weltweiten Handels dürfe nicht zerstört werden, sagte sie in Nusa Dua.

Auf der Insel Bali kommen noch bis zum Samstag mehr als 30 000 Vertreter der internationalen Finanzelite zusammen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz wies dies im "Handelsblatt" zurück.

Lagarde räumte einen Reformbedarf des Handelssystems unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO) ein - wie schon tags zuvor deren Präsident Roberto Azevêdo. "Repariert es, aber zerstört es nicht", sagte sie. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim äußerte sich ähnlich. Die Globalisierung habe Millionen Menschen aus der Armut geführt.

Lagarde führte die Schwäche des Yuan gegenüber dem Dollar hingegen auf die Zinsanhebungen der US-Notenbank Fed zurück.

US-Präsident Donald Trump hat die US-Notenbank Federal Reserve angegriffen und erklärt, sie sei wegen ihrer raschen Zinserhöhungen "verrückt geworden". "Ich würde ihn nicht mit Verrücktheit in Verbindung bringen", sagte Lagarde dem US-Sender CNBC. Lagarde betonte auch, dass Zentralbanken ihre Zinsentscheidungen entsprechend ökonomischen Indikatoren treffen müssten. Wenn das Wachstum stark und die Arbeitslosigkeit extrem niedrig sei, müssten sie "die Entscheidungen treffen, die sie treffen", betonte die frühere französische Finanzministerin. Zudem könnten in US-Dollar aufgenommene Schulden für diese Staaten und dort angesiedelte Unternehmen sehr teuer werden.

Die Schuldenlast der öffentlichen und privaten Haushalte ist laut IWF auf 182 Billionen Dollar angewachsen - ein Rekord. Der IWF hatte am Dienstag seine Prognose zur weltweiten Konjunktur vorgelegt, er erwartet für 2018 und 2019 ein globales Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent und damit 0,2 Punkte weniger als zuletzt. "Wir hoffen, wir bewegen uns weder in die Richtung eines Handelskriegs noch in die eines Währungskriegs". "Wir sind sicherer, aber wir sind nicht sicher genug", meinte Lagarde mit Blick auf einen Vergleich zur Situation vor der Finanzkrise vor zehn Jahren.

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