Saudi-Arabien: Fall Chaschukdschi: Türkei erhöht Druck

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Ankara macht Druck, US-Präsident Trump äußert sich besorgt.

Im Fall des in Istanbul verschwundenen und möglicherweise ermordeten saudi-arabischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi erhöht die Türkei den Druck.

Chalid bin Salman ist der Bruder des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und der Türkei stehen nun vor der Zerreißprobe: Saudi-Arabien nimmt der türkischen Regierung schon seit Langem übel, dass sie nicht nur die Muslimbruderschaft unterstützt, sondern auch enge Beziehungen zu Katar pflegt, über das man im Juni 2017 eine Blockade verhängt hat. Riad bestreitet das. Unbestritten ist allerdings, dass Khashoggi am 2. Oktober das Konsulat betreten hatte, um Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Der Fall Khashoggi könnte zu einer diplomatischen Krise führen. "Es ist eine sehr traurige Situation, es ist eine sehr schlimme Situation", sagte Trump am Mittwoch im Weißen Haus. Er hoffe auf eine positive Lösung. Im Moment weiß niemand irgendetwas. "Das gefällt mir nicht".

Auch US-Vizepräsident Mike Pence zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Berichte.

Die Washington Post berichtete am Mittwoch, US-Geheimdienstler hätten ein Gespräch von saudischen Vertretern abgefangen, in dem diese über einen Plan gesprochen hätten, Chaschukdschi nach Saudi-Arabien zu locken und ihn dort festzunehmen. "Gewalt gegen Journalisten weltweit ist eine Bedrohung der Pressefreiheit und der Menschenrechte", schrieb er und forderte Aufklärung. "Die freie Welt hat Antworten verdient". Chaschoggi wird vermisst, seit er das Konsulat vor einer Woche betreten hatte. Khashoggi hatte wiederholt seine Politik kritisiert und sich auch gegen die Militärintervention im Jemen, die Blockade Katars und die Verfolgung der Muslimbruderschaft ausgesprochen. Das regierungsnahe Blatt beruft sich auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Informanten.

Saudi-Arabien weist jedwede Verantwortung für das Verschwinden des Journalisten Chaschukdschi zurück. Unter den Demonstranten war auch die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman, die Saudi-Arabien Terror gegen seine eigenen Bürger vorwarf.

Aus dem Außenministerium in Ankara verlautete, der Botschafter Riads sei am Sonntag ins Ministerium "eingeladen" worden. Darin hatten sämtliche Mitglieder aus beiden Parteien - mit Ausnahme des Republikaners Rand Paul - Aufklärung über das Schicksal des vermissten Journalisten gefordert. Türkische Ermittler hegen den Verdacht, dass der Regierungskritiker in dem Konsulat ermordet wurde. Kaschoggi war im Vorjahr wegen seiner kritischen Berichterstattung ins Visier der saudi-arabischen Staatsmacht geraten und nach Washington geflohen.

WASHINGTON/BUDAPEST afp | Die USA haben von Saudi-Arabien eine "transparente" Untersuchung zum Verschwinden des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi in der Türkei gefordert. Er schreibt auch für die "Washington Post".

Nach Ansicht von Beobachtern ist das Verschwinden Chaschukdschis kein Einzelfall, sondern Muster einer immer aggressiveren Außenpolitik des 33 Jahre alten saudi-arabischen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman.

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