Gerhard Richter kritisiert Film von Henckel von Donnersmarck

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Florian Henckel von Donnersmarck hat diese Szene in seinem neuen Film "Werk ohne Autor" als Schlüsselmoment ausgewiesen. Aber der Trailer, den ihm der Regisseur gezeigt habe, habe ihm gereicht. Im Video-Interview zu "Werk ohne Autor" verrät Florian Henckel von Donnersmarck, was das Publikum aus seinem Film mitnehmen kann und warum Schauspieler Sebastian Koch die perfekte Wahl für die Rolle des Bösewichts ist. Anfang nächsten Jahres könnte der 45-Jährige die gleiche Auszeichnung noch einmal erhalten. Nun hat sich Gerhard Richter einen Teil des Films angesehen, der Teaser reichte ihm offenbar, um ein vernichtendes Urteil zu fällen. Juristisch könne er gegen den Film nichts unternehmen.

Donnersmarcks dritter, sehr abendfüllender Spielfilm kommt fast in jeder Szene mit dem Gestus und der technischen Perfektion eines Meisterwerkes daher, womit die Schlichtheit so mancher Erkenntnis nicht ohne Geschick übermalt wird. Der Film lebt von Richters Familiengeschichte, in der sich die Linien von NS-Tätern und -Opfern kreuzen: Seine Tante Marianne Schönfelder war schizophren und wurde von den Nazis zunächst zwangssterilisiert, dann getötet. Später heiratete Richter die Tochter des ehemaligen SS-Arztes Heinrich Eufinger, der selbst an den Zwangssterilisierungen beteiligt war - wovon der Schwiegersohn nichts wusste. Doch Donnersmarck pocht darauf, dass sein Werk nur "einige Ähnlichkeiten" zu Richters Leben aufweist. Er habe sich alle Freiheiten genommen. "Ich wollte mich nicht am Lebenslauf abarbeiten". Aber obwohl es von den künstlerischen Selbstheilungskräften der Seele erzählen will, ist das auf Überwältigung ausgerichtete Werk von einer gewissen Seelenlosigkeit durchdrungen und droht stets am eigenen Kalkül zu ersticken.

Über seinen Kontakt zu Richter sagt der Filmemacher: "Vier Wochen war ich bei ihm in Köln, die letzten Tage haben wir in Dresden die Orte seiner Jugend angeschaut". Vor allem spürt man deutlich sein Missfallen, dass der Regisseur in Interviews immer wieder ausbreitet, wie viel Zeit ihm der Maler geschenkt habe. Richter schätzt Diskretion. Im Nachhinein bedauert er wohl, sich für den Filmemacher geöffnet zu haben.

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