TV-Duell: Söder und Hartmann kreuzen Schwerter

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Am Mittwochabend bekommen die Grünen in Bayern ihren Ritterschlag: Dann dürfen sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte in das Fernsehspitzenduell vor der Landtagswahl, obwohl sie bei der Wahl 2013 nur viertstärkste Kraft waren. Der Mann, der zuletzt immer in Schatten seiner 33-jährigen Co-Spitzenkandidatin Katharina Schulze stand, hält bei Söder putzmunter dagegen. Söder halten nur noch 42 Prozent für einen guten Ministerpräsidenten - im Mai waren dies noch 56 Prozent.

Als politisch tiefschwarz kennt man das deutsche Bundesland Bayern, doch schon in drei Wochen könnte der Freistaat so bunt werden wie noch nie: Aktuelle Umfragen prognostizieren bis zu sieben Fraktionen für den am 14. Oktober zu wählenden Landtag, so viele wie nirgendwo derzeit in Deutschland.

Die Grünen wollen Söders Anordnung, dass in jeder Behörde ein Kreuz aufzuhängen sei, wieder zurücknehmen.

Mit "Humanität und Ordnung" warb Söder indessen mit "grünen" Tönen für seine Asylpolitik.

Screenshot / BR Der grüne Spitzenkandidat Ludwig Hartmann.

Der Zugang zum Arbeitsmarkt müsse erleichtert werden. Nachdem bei den bayerischen Grünen früher radikale Forderungen von Fundis die bürgerlichen Wähler verschreckten, bewegte sie zusammen mit Hartmann die Partei stärker in die gesellschaftliche Mitte.

► Kreuz-Erlass: Söder hatte den umstrittenen Erlass, demnach in allen öffentlichen Gebäuden Bayerns Kreuze aufgehängt werden müssen, kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr erlassen. Söders Credo: Keine "Experimentiererei mit den Schulen". Hartman strebt eine "grüne Mobilitätsgarantie mit Bus oder Bahn" in ganz Bayern an, von 5 bis 24 Uhr an allen Werktagen.

Söder: "So machen wir das in Bayern". Das konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der amtierende Ministerpräsident hier mit Hartmann weit auseinanderliegt: Söder lobte die bayerische Grenzpolizei als ein "Signal der Abschreckung" an Schleuser. Hartmann warnt ob der Euphorie seine Partei zwar, dass der Wahlkampf noch nicht vorbei sei, will die bevorstehende Verantwortung aber auch nicht zurückweisen: "Für konservative Wähler sind wir ein gutes Angebot: verlässlich, aber mit klaren Zielen". Die Grünen würden aber insbesondere bei der Erhalt der Natur, ökologischer Agrarpolitik und Chancengerechtigkeit, insbesondere für Frauen, "andere Politikansätze" als die CSU verfolgen. Wenn die CSU "deutliche Schritte" vorangehe, "dann sind wir gesprächsbereit - wir spielen aber nicht jedes Spiel mit", erklärte Hartmann. Söder nannte die Grünen auf der Gegenseite eine "Bevormundungspartei". "Deshalb muss ich doch niemandem was Böses wollen". Es gebe "sehr große Unterschiede".

Nur gelegentlich drohte die Veranstaltung Christian Nitsche, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, etwas zu entgleiten, als beide Kontrahenten darauf bestanden, ausreden zu können. Hartmann selbst war einst Vorsitzender der Grünen Jugend in Bayern, jüngster Stadtrat in Landsberg.

"Aber einen zusätzlichen Nationalpark gibt's nicht", schränkte Söder gleich ein. Der Ministerpräsident fragt zurück, ob das nicht auch bei ihm "dahaom " in Franken möglich wäre.

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