Medizin-Nobelpreis für zwei Krebsforscher

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Die Entdeckung der beiden Mediziner nutze die Fähigkeit des Immunsystems, Krebszellen zu bekämpfen, indem die Bremsen der Immunzellen ausgeschaltet werden. Der Grund: Krebszellen haben effektive Strategien entwickelt, um der körpereigenen Abwehr zu entgehen.

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an James Allison (rechts) und Tasuku Honjo (links) für die Entwicklung spezieller Krebstherapien.

Nach Einschätzung von Krebsexperten in Deutschland hat die Checkpoint-Therapie die Krebsbehandlung revolutioniert und der Forschung neuen Schwung verliehen. Mit monoklonalen Antikörpern wie Ipilimumab (gegen CTLA-4), Nivolumab (und bereits viele andere gegen PD-1) oder Atezolizumab (gegen PD-L1 gerichtet) stehen damit seit wenigen Jahren im Vergleich zu Chemotherapeutika erstmals wirksame Immuntherapeutika gegen Krebs zur Verfügung.

Der US-Amerikaner James Allison (l.) und der Japaner Tasuku Honjo (r): Die Forscher bekommen den Medizin-Nobelpreis 2018. Kommentar von Patrick Illinger mehr. Die Forscher haben eine Therapie entwickelt, die dafür sorgt, dass körpereigene Immunzellen einen bösartigen Tumor angreifen und vernichten.

1994 begannen Allison und seine Mitarbeiter Substanzen zu erproben, die das Brems-Molekül des Immunsystems ausschalten. Sie können Krankheitserreger erkennen und Abwehrreaktionen auslösen, die den Erreger zerstören.

Wichtig sind dabei die sogenannten T-Lymphozyten, auch T-Zellen genannt. "Die Immuncheckpoint-Blockade stellte erstmals auf diesem Gebiet einen Durchbruch dar und ist rasch zu einem Behandlungsprinzip - zunächst bei Melanom, dann bei Lungenkrebs, Nierenzellkarzinomen und anderen Krebserkrankungen - geworden", sagte Matthias Preusser, nunmehr Professor für Internistische Onkologie von MedUni Wien/AKH, gegenüber der Austria Presse Agentur. Sie soll in Zukunft bei verschiedenen Krebsarten zum Einsatz kommen, unter anderem bei Schwarzem Hautkrebs. Die Checkpoints wiederum zeigen der Zelle, ob das Antigen zum Feind gehört oder womöglich als Teil des eigenen Körpers vor der Immunreaktion verschont werden muss.

Tasuku Honjo (geboren 1942) von der Universität Kyoto untersuchte das Protein PD-1, das über einen anderen Wirkmechanismus das Immunsystem ausbremst. Es ragt wie Antennen aus der Oberfläche von T-Zellen hervor. "Entschlossen, seine Rolle aufzuklären, führte er eine Serie von eleganten Experimenten über mehrere Jahre an seinem Institut an der Kyoto Universität durch". Kombinationstherapien, die gegen PD-1 und CTLA-4 gleichzeitig wirken, erwiesen sich bei bestimmten Krebsarten als besonders effizient. Bei einigen Patienten verschwanden sogar Metastasen, die der ursprüngliche Tumor im Körper gestreut hatte. Zurzeit werden bereits zahlreiche neue Antikörper in klinischen Studien getestet und auch neue Rezeptoren und damit Ansatzstellen auf den T-Zellen werden erforscht.

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an James P. Allison und Tasuku Honjko.

Die Nobelpreise werden seit 1901 vergeben. Dieser Preis wurde nicht von Alfred Nobel, sondern nachträglich von der schwedischen Reichsbank gestiftet, wird zumeist aber als Nobelpreis angesehen. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von neun Millionen Kronen (etwa 870 000 Euro) dotiert. Übergeben werden die Preise am 10. Dezember bei einer Zeremonie in Stockholm.

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