Boris Johnson greift May an und legt eigenen Brexit-Plan vor

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Der frühere britische Aussenminister Boris Johnson hat den Brexit-Kurs von Regierungschefin Theresa May heftig kritisiert.

Zudem sei die vorgezogene Wahl im vergangenen Jahr, bei der May ihre Regierungsmehrheit verlor, ein großer Fehler gewesen. Grenzkontrollen in Irland will er durch technische Lösungen verhindern. Aber er wird nicht nur von Brüsseler Seite abgelehnt, sondern auch von weiten Teilen der Konservativen Partei. Und zu deren Fürsprecher will Johnson sich jetzt aufschwingen.

Der 54-jährige Blondschopf setzt Mays Vorschlägen seinen eigenen Sechs-Punkte-Plan entgegen, der mit "Werfe Chequers weg" beginnt und mit "Starte weltweite Handelsverhandlungen im April" endet.

Großbritannien soll nach Johnson ein Freihandelsabkommen nach dem Muster des Abkommens zwischen der EU und Kanada abschließen. May steht massiv unter Druck: Ihre Brexit-Pläne sind nicht nur in der eigenen Partei umstritten, auch die britische Opposition und die EU-Kommission lehnen sie ab. Johnson will "null Zölle" und "null Quoten" beim Waren- und Güterverkehr und hofft auf weitreichende Einigung im Dienstleistungssektor. Aber sein provokantester Vorschlag ist der zur irischen Grenze. Nach ihr würde Nordirland de facto im EU-Binnenmarkt bleiben.

Von Boris Johnson ist schon länger bekannt, dass er sich für den besseren Regierungschef hielte. Als Rhetoriker ist er Theresa May haushoch überlegen, was ihm bei einem Putschversuch auf dem Parteitag zugute kommen dürfte.

Doch praktische Schwierigkeiten haben den Blondschopf noch selten abgehalten. Dem Exzentriker Johnson wird nachgesagt, seine Rivalin beerben zu wollen. Da hat er recht. Ein solches auszuhandelndes Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und Kanada nannte Johnson "Super Canada".

London und Brüssel verhandeln hart über die Modalitäten der Trennung.

Johnsons Frontalangriff auf May erfolgt wenige Tage vor dem am Sonntag beginnenden Parteitag der Konservativen in Birmingham. Der Chequers-Plan von May sei eine "moralische und intellektuelle Demütigung". Einen Tag vor ihrer Grundsatzrede am nächsten Mittwoch wird Boris Johnson auf einer Randveranstaltung des Parteitages sprechen. Besonders beim Fußvolk der Torys ist ihr Chequers-Plan unbeliebt. Theresa May wird in diesem Jahr in Birmingham den Auftritt ihres Lebens hinlegen müssen.

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