"Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm": Für Einsteiger und Kenner

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Und das Schiff, von dem die Seeräuber-Jenny träumt, hat acht Segel. In "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" spielt Lars Eidinger den Dramatiker. Die Entscheidung für oder gegen den Film sollte man sich aber nicht allzu schwer machen, denn er ist absolut sehenswert. Ein epischer Film über episches Theater. Die will die kolossal erfolgreiche Dreigroschenoper auf die Leinwand bringen.

"Die Dreigroschenoper" ist fast das einzige Stück von Bertolt Brecht, das an den Bühnen überhaupt noch gespielt wird. Ihr geht es nur um den Erfolg an der Kasse. Später muss Brecht das Vorhaben fallen lassen und vor den Nazis fliehen.

Regisseur Lang verwebt den Gerichtsstreit mit Brechts Vision eines Films. Man sieht die harte Realität der Wirtschaftskrise. Und dann gehen eben zwei Monde auf.

"Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm".

Ein ambitioniertes Stück Kino, sperrig und eigenwillig. Die Expertise ist dem Drehbuch immer anzumerken, und tatsächlich: Lang, der den auch Film geschrieben hat, war acht Jahre lang Leiter des Augsburger Brecht-Festivals, hat über Brechts Dramatik in den audiovisuellen Medien promoviert und sich auch schon als Fernsehregisseur mit dem Autors befasst, in der Mini-Serie "Brecht - Die Kunst zu leben" zum Beispiel. Zuletzt hat er für die ARD die Künstlerbiografie "George" gedreht, in der Götz George seinen Vater Heinrich George spielte (2013). Gleichzeitig legt er den Filme, soll man sagen: die Filme?, als Kommentar zur heutigen Zeit an, in der ja immer noch Künstler mit Produzenten kämpfen - ein Konflikt, der sich durch die gesamte Kinogeschichte zieht.

Eingebettet in diesen historischen Kontext macht Lang in seinem opulent ausgestatteten Film die Imaginationskraft des Kinos zum Gegenstand seiner Erzählung.

Für "Mackie Messer", im Sommer Eröffnungsfilm des Münchner Filmfestes, hat Lang eine prominente Riege von Mitwirkenden zusammengestellt. Der Autor ist Bertolt Brecht (Lars Eidinger), die Musik ist von Kurt Weill (Robert Stadlober). In weiteren Rollen sind Robert Stadlober, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung und Claudia Michelsen zu sehen.

Bis in unsere Gegenwart springt der Film und lässt den Bankdirektor Mackie Messer von Geschäftsleuten als den idealen Staatschefs schwadronieren, sodass einem unweigerlich der aktuelle US-Präsident in den Sinn kommt. "Wer die Handlung nicht gleich begreift, braucht sich nicht den Kopf zu zerbrechen".

90 Jahre nach der Uraufführung der "Dreigroschenoper" am Berliner Schiffbauerdamm hat Regisseur Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Experte, dieses ehrgeizige Projekt gestemmt.

Der Film "Mackie Messer" ist eine Produktion, die eng mit dem Land Baden-Württemberg verbunden ist.

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