Türkische Notenbank hebt Leitzins an

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Der Kurs lag am Donnerstagabend bei etwa 6,17 Lira und damit rund 2,6 Prozent höher als am Morgen.

Die Sitzung der TCMB Donnerstagmittag galt folglich als eine Art Nagelprobe, die britische "Financial Times" ("FT") nannte sie einen "Test" für deren Unabhängigkeit von der Politik. Investoren hatten sich um die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank gesorgt, die sich aber nun deutlich gegen die Forderung Erdogans stellte. Trotz einer expliziten Aufforderung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, die Leitzinsen nicht zu erhöhen, verkündete die Notenbank am Nachmittag, dass sie diese Zinsen um satte 6,25 Punkte, von 17,75 auf 24 Basispunkte anhebt. Zugleich betonte er aber, dass die Zentralbank unabhängig sei und ihre eigenen Entscheidungen treffe. Das hatte im Vorfeld noch eine Abwertung der Lira ausgelöst, weil Anleger befürchteten, die Notenbank werde klein beigeben. An die Adresse der Währungshüter gerichtet hatte er vor Kleinunternehmern in Ankara gesagt: "Die Inflation ist das Ergebnis deines falschen Handelns". Die Zinsen seien "der Grund und die Inflation die Folge", sagte Erdogan. Wer das Gegenteil glaube, habe "nichts verstanden". Er warf den Währungshütern aber auch vor, für die hohe Inflation verantwortlich zu sein. Am Donnerstag bezeichnete Erdogan dagegen Zinsen abermals als "Instrument der Ausbeutung". "Ob dies aber der Befreiungsschlag für die Lira ist, bleibt abzuwarten". Die Auslandsverschuldung sei zu hoch, die Wirtschaft entwickele sich schleppend. Viele Beobachter bezweifeln jedoch genau dies. Der Präsident hatte zudem eingeräumt, dass die Türkei im Vergleich zu anderen Schwellenländern wirtschaftlich zurückgefallen sei. Das würde für die von Rohstoffimporten abhängige und mit 330 Milliarden Dollar hoch im Ausland verschuldete türkische Wirtschaft stark belasten. Hinzu kommt ein politischer Streit mit den USA mit gegenseitigen Sanktionen.Unterdessen entschied Erdogan als Maßnahme gegen die Währungskrise, dass Geschäftsverträge zwischen in der Türkei lebenden Menschen nur noch in türkischer Lira und nicht mehr in Fremdwährungen wie Euro oder Dollar abgeschlossen werden dürfen.

Das Dekret werde völliges Chaos verursachen, sagte Hulusi Belgu, Leiter des türkischen Verbands der Einkaufszentren der Nachrichtenagentur Bloomberg. Damit versuchen Unternehmen der hohen Inflation auszuweichen.

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