Bahn-Chef Richard Lutz schreibt Brandbrief an Führungskräfte

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Deutsche-Bahn-Chef Richard Lutz hat mit seinen Vorstandskollegen einen Brandbrief an die Führungskräfte des Konzerns geschickt.

Der unabhängige Fahrgastverband Pro Bahn sieht angesichts der Krise der Deutschen Bahn auch die Politik in der Pflicht. Vorstandschef Richard Lutz richtete einen dringenden Appell an seine Führungskräfte, den negativen Trend umzukehren. Ein Bahn-Sprecher sagte am Sonntagabend: "Wir äußern uns nicht zu internen Schreiben". Lutz selbst beschreibt die Situation in klaren Worten. Sie habe sich in den vergangenen Monaten nicht verbessert, sondern verschlechtert. "Da gibt es leider nichts zu beschönigen".

Wie dramatisch es um die Bahn steht, zeigt Lutz mit einem Kassensturz auf. Man sei "mit einem blauen Auge" davongekommen. "Sinnvolle und notwendige Ausgaben für den laufenden Betrieb und für alle Anstrengungen, die wir im Sinne von Kunde, Qualität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit unternehmen, laufen selbstverständlich weiter", so Lutz, der bereits seit 2010 für die Finanzen des Konzerns verantwortlich ist. Man habe sich in den letzten Monaten um weitere 160 Millionen Euro vom Geschäftsplan entfernt, weshalb das auf 2,1 Milliarden Euro reduzierte Ergebnis im Risiko stehe. "Es würde unsere finanzielle Lage weiter destabilisieren und Vertrauen und 'Goodwill', die wir bei Eigentümer und Öffentlichkeit noch haben, zusätzlich beschädigen", schreibt Lutz. Zugleich wolle der Konzern unbedingt den Anstieg der Schulden begrenzen, der dieses Jahr erstmals mehr als 20 Milliarden Euro betragen könnte. Nach Angaben des Spiegel hat der Bahnchef eine "Ausgabensteuerung" zur Kostensenkung beschlossen.

Probleme hat die Bahn auch mit dem lieben Geld.

Grund für die schlechte Ertragslage der Bahn ist die verschärfte Konkurrenz durch den Fernbusanbieter Flixbus, der neuerdings auch auf der Schiene unterwegs ist. "Es kann nicht sein, dass die Bahn Umweltabgaben zahlt, der Flieger keine".

Vor seinem Notruf hatte Lutz etliche Manager seines Unternehmens zum Rapport in die Konzern-Zentrale nach Berlin gerufen. Verantwortung werde hin- und hergeschoben, Entscheidungen nicht getroffen und nach oben delegiert. Die Pünktlichkeitsquote lag bei 69,8 Prozent nach 72,1 Prozent im Juli und 74,7 Prozent im Juni, wie die der Konzern mitteilte. Das ist der schlechteste August-Wert seit 2015. "Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ist außerdem klar, dass wir 2018 weder die Vorjahreswerte und schon gar nicht unser Ziel erreichen werden". Als Hauptursache für die Verspätungen gelten neben dem veralteten Schienennetz vor allem das unzureichend gewartete und in ungenügender Menge vorhandene Zugmaterial.

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