Zehntausende Krebsfälle jährlich wären gut vermeidbar

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Aber es sind auch Risikofaktoren, die modifizierbar sind. Der Krebsexperte der Universität Lübeck plädiert dafür, sich auf den mit Abstand wichtigsten Risikofaktor Rauchen zu konzentrieren.

► Laut dem Statistischen Bundesamt sind Krebsleiden die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Rauchen, Alkohol, fettes Essen oder dreckige Luft - darauf sind zehntausende Krebserkrankungen jährlich zurückzuführen.

► Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg gehen von 440.000 Krebsneuerkrankungen bei den 35- bis 84-Jährigen in diesem Jahr aus. Ihre Hochrechnungen stellen sie im "Deutschen Ärzteblatt" vor. Eine Studie widmet sich Rauchen und Alkohol, die zweite Übergewicht, geringer körperlicher Aktivität und ungesunder Ernährung. In einer dritten Studie geht es um den Einfluss von Infektionen und Umweltfaktoren wie Feinstaub (2018; 115: 586). Durch einen gesünderen Lebensstil könnten rund 40 Prozent der Krebsneuerkrankungen verhindert werden. Allerdings vermuten die Autoren, dass "die Gesamtzahlen und Anteile der Krebsfälle, die auf Umweltfaktoren zurückzuführen sind, vermutlich noch deutlich höher" liegen, aber zuverlässige Daten und Analysemethoden bisher fehlen. Klar muss aber auch sein, dass selbst der vorbildlichste Lebensstil keinen absoluten Schutz vor Krebs bietet.

Rauchen macht der Hochrechnung zufolge den Großteil der vermeidbaren Fälle aus. Als Krebsfall wurde jeder gezählt, der in diesem Jahr eine neue Diagnose bekommt. Von 440.000 zu erwartenden Neuerkrankungen hängen demnach geschätzt 85.000 mit Tabakkonsum zusammen. Allein 89 Prozent der Lungenkrebsfälle bei Männern und 83 Prozent bei Frauen gehen auf Tabakkonsum zurück.

Übergewicht und Bewegung: Die Studie zeigt einen Zusammenhang von Übergewicht und geringer körperlicher Aktivität für das Auftreten von Krebs bei Menschen zwischen 35 bis 84 Jahren in Deutschland.

Den Wissenschaftlern zufolge werden rund 14.500 (etwa drei Prozent) der erwarteten Erkrankungen mit einer geringen Ballaststoffzufuhr in Verbindung gebracht. 2 Prozent) mit geringer Obst- und Gemüsezufuhr, weitere etwa 9.500 mit Wurstverzehr und rund 1.700 (ca. 0,4 Prozent) mit hohem Verzehr von rotem Fleisch sowie rund 1200 (ca.

Über 5.400 Krebsfälle werden auf umweltbedingte Risikofaktoren wie das radioaktive Gas Radon in Innenräumen, Feinstaub, Solariennutzung und Passivrauchen zurückgehen. Das Bakterium Helicobacter pylori und humane Papillomaviren tragen demnach am meisten zu diesen Krebsfällen bei.

Auf Umweltfaktoren werden mehr als 5400 Krebsfälle (1,2 Prozent) aller Neuerkrankungen zurückgehen.

Traumhafte Erfolgsmöglichkeiten also für die Prävention?

Da sich jedes Jahr allein in Deutschland 165 000 Krebsfälle vermeiden ließen und viele Vorsorgestrategien längst bekannt sind, fragt sich Alexander Katalinic in einem Kommentar zu recht, "wie wirklichkeitsnah eine Raucherquote von 0 Prozent, der Verzicht auf Wurstwaren oder ein normaler Body-Mass-Index für die gesamte Bevölkerung sind". Dringend notwendig sei ein komplettes Werbeverbot für Tabakprodukte, so Katalinic. Neben Lungenkrebs steigert Rauchen das Risiko noch für elf weitere Krebsarten.

Die Forscher nutzten für ihre Schätzwerte das Konzept der populationsattributablen Fraktion (PAF) für Risikofaktoren. Die PAF ergibt sich demnach aus dem Verhältnis von Erkrankungsfällen, die einem Risikofaktor zugeschrieben werden können, zu allen Fällen in der Bevölkerung.

Infektionen: Für das Jahr 2018 werden nach Schätzungen der Forscher mehr als 17.600 Krebsfälle auf Infektionen zurückzuführen sein, das entspricht rund 4 Prozent aller Neuerkrankungen.

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