Kader nach WM-Debakel: Khedira raus, drei Neue für Löw

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110 Minuten dauerte die Pressekonferenz mit Joachim Löw und Oliver Bierhoff, sogar länger als ein Fußballspiel - und dennoch blieben bei der WM-Analyse viele Fragen unbeantwortet.

Für die deutsche Nationalmannschaft beginnt nach der blamablen Vorstellung bei der WM eine neue Zeitrechnung.

Auch der DFB-Teammanager übte Selbstkritik und harsche Kritik an der Nationalelf. Dieser solle "sich auch in seinem eigenen Interesse öffentlich äussern". "Es müssen alle Rahmenbedingungen stimmen, damit wir das hohe Risiko auch tolerieren können. Diese Rahmenbedingungen haben in diesen Spielen bei uns nicht gepasst", sagte der Bundestrainer. "Das war fast schon arrogant". Es sei sein Fehler gewesen, dass er die Spielweise von 2014, dem Jahr des Titelgewinns in Brasilien, perfektionieren wollte.

Bierhoff legte mit Begriffen wie "fehlender Einstellung" und "Selbstgefälligkeit" nach, kündigte wieder mehr "Fannähe" und "Demut" an. Erstmals bei einer WM schied ein DFB-Team schon nach der Vorrunde aus. "Wir haben die Situation falsch eingeschätzt", sagte Bierhoff. Man habe gedacht, dass das ein Selbstläufer sei, so Bierhoff.

Zum Rücktritt von Mesut Özil äußerte sich Löw auf der Pressekonferenz auch. "Wir wollen jetzt unseren Worten Taten folgen lassen", so der DFB-Teamchef.

Uli Hoeneß und seine Meinung über den Fußballer Mesut Özil... "Es gab nie in der Mannschaft auch nur einen Ansatz von Rassismus, keinen Ansatz von rassistischen Äußerungen", betonte Löw. Zudem berichtete er, dass Özil ihn nicht persönlich über seinen Abschied aus der DFB-Elf unterrichtet und er bislang vergeblich das Gespräch mit ihm gesucht habe.

Was Löw besonders missfiel: Dass er nur wenige Stunden vor Özils dreiteiliger Internet-Erklärung von dessen Abschied erfuhr - per Telefon von Özils Berater, wie er berichtete.

Eine Nichtberücksichtigung von Ilkay Gündogan von Manchester City sei nach der Erdogan-Affäre überhaupt kein Thema gewesen. Der Mittelfeld-Spieler wurde von Löw nicht berücksichtigt: "Ich habe ihm gesagt, dass ich Raum und Platz für Änderungen auf der Position schaffen möchte". Und Löw ergänzt, er habe es verpasst, bedingungslosen Einsatz einzufordern. Zugleich appellierte der Coach an die deutschen Fans, Gündogan nicht mehr auszupfeifen.

Konsequenzen gab es für andere Teammitglieder. Wir haben entschieden, dass Thomas Schneider die Leitung der Scoutingabteilung übernimmt. Sollte er nicht nominiert werden, sagte Sami Khedira, "wäre es für mich nur noch mehr Ansporn, weiter an mir zu arbeiten. Urs Siegenthaler wird selbstverständlich weiter in diesem Bereich zuständig sein", sagte Löw zur Personalie Schneider. "Wir sprechen zu gegebener Zeit weiter".

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