Türkische Lira plus fünf Prozent - Erholung von Rekordtief

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Nervosität macht sich bemerkbar, und die Anleger sind alarmiert. Die italienische UniCredit, die eine 40,9-Prozent-Beteiligung an der türkischen Yapi Kredit Bank hält, gab um 3,46 Prozent nach, die Deutsche Bank lag 2,17 Prozent im Minus.

"Es ist offenkundig der Mangel an einer raschen, entschiedenen und rationalen Antwort der türkischen Behörden, die die Lira in diese Abwärtsspirale geschickt hat", sagt Levin.

Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für "Der Volkswirt". Später erholte sich die Lira etwas. Die türkische Zentralbank betonte, Banken jedwede Liquidität zur Verfügung zu stellen und alle nötigen Schritte zu unternehmen, die den Erhalt der Finanzstabilität sicherstellten. Sie senkte die Mindestreserveanforderungen für Devisengeschäfte. 200 Milliarden Euro Schulden haben türkische Unternehmen mittlerweile angehäuft, ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts. Analysten der Commerzbank zeigten sich aber weiterhin zurückhaltend. Bereits mehrmals wurden die Leitzinsen erhöht, die Effekte verpufften, der Kurssturz beschleunigte sich. Seit Beginn des Jahres beschleunigte sich der Prozess lediglich, und die türkische Lira verlor gegenüber dem US-Dollar fast 50 Prozent und gegenüber dem Euro fast 35 Prozent an Wert.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat jedoch klargemacht, dass er keine höheren, sondern niedrigere Zinsen will. Das setzt allerdings voraus, dass sich Erdogan zu den wirtschaftlichen Problemen im Land bekennt. Als Finanzminister und Erdogan-Schwiegersohn Berat Albayrak seine Ankündigung, am Montagmorgen mit einem Aktionsplan für die Wirtschaft die Märkte zu beruhigen und den Kursverfall stoppen zu wollen, bis zum späten Nachmittag nicht wahr machte, geriet die Währung ab Mittag wieder ins Rutschen und überschritt erneut die Sieben-Lira-Marke zum Dollar.

Einem Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für eventuelle Finanzhilfe erteilte Erdogan eine klare Absage.

Seit Freitag erlebt die Türkei eine finanzielle Schockwelle. Mit den Strafzöllen hatte US-Präsident Trump bewusst die Währungskrise der Türkei angeheizt. Sie hätten mit ihren Berichten oder Kommentaren den Anstieg des Dollars zur Lira gestützt. Demnach ist die Verschuldung der 30 größten Schwellenländern von 163 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Ende 2011 auf 211 Prozent im ersten Vierteljahr 2018 gestiegen. Er hat die Bevölkerung aufgerufen, Dollar und Euro in die Landeswährung umzutauschen. Es werde schwierig, das zu schultern, weil das Vertrauen der Märkte in die Türkei so stark gelitten habe. Es könne sein, dass die Banken bald Schwierigkeiten hätten, sich zu erträglichen Konditionen zu refinanzieren. "Ich rufe die Industriealisten auf, die Banken nicht zu attackieren und Devisen zu kaufen", sagte er weiter. "Die Türkei wird gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen", versicherte Kalin. Bereits am Wochenende hatte Erdoğan in mehreren Reden einen unversöhnlichen Ton gegen die USA angeschlagen, sieht "Kampagnen" gegen die Türkei und einen "Wirtschaftskrieg". "Doch das ist politisch natürlich sehr heikel". Wer solche Gedanken hegt, sollte sie in der Türkei lieber für sich behalten und nicht teilen, denn das Innenministerium in Ankara geht jetzt gegen kritische Äußerungen zur türkischen Wirtschaft in den sozialen Netzwerken vor.

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