Lira-Krise: Erdogan wütet gegen "Wirtschaftsterroristen"

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Er verwies auf die schlechten Beziehungen zum Nato-Partner und den Absturz der türkischen Lira, den er mit seiner Drohung weiter beschleunigte. Das sollte seine Erzählung von der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Türkei befeuern, die 2023 weltweit in die Top Ten aufrücken soll.

Die Ankündigung von US-Sanktionen gegen die Türkei, die seit Montagmorgen gelten, seien der "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat". Fuest macht gleichzeitig klar, dass es ohne europäische Hilfen für die Türkei nicht gehen wird. Das Fass zum Überlaufen brachte jetzt der politische Streit zwischen den USA und der Türkei.

"Die Unternehmen warten ab, ziehen sich jedoch noch nicht aus dem Land zurück", beschreibt Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) die Lage. Zuvor hatte Recep Tayyip Erdoğan die Nation angesichts des dramatischen Wertverlustes der Lira zum Zusammenhalt aufgerufen. Präsident Erdogan wettert gegen einen "feigen Angriff" von außen - aber die Krise zeigt: Seine Macht endet beim Geldbeutel der Bürger. Das ökonomische Gewicht der Türkei sei dann doch nicht so groß, als dass die dortige Krise eine Rezession in Deutschland oder Europa auslösen müsse. Der Hinauswurf der US-Armee aus der Militärbasis Incirlik im Süden der Türkei wird von den Nationalisten im Land nun vehement gefordert. Die USA haben derzeit Erfolg, die Türkei steht unter massivem Druck - im Iran steigt der Unmut der Bevölkerung gegen das Regime. Zwar hat die türkische Zentralbank am Montag einen 10-Punkte-Plan verkündet, unter anderem sollen Liquiditätszuschüsse finanzielle Stabilität garantieren. Hält die Türkei an ihrem Kurs fest, sind weitere Währungsverluste zu erwarten. Die Türkei muss Schritte unternehmen, die wieder für Vertrauen sorgen. Die Institutionen würden am Montag die notwendigen Maßnahmen ergreifen und mit dem Märkten kommunizieren, sagte der Minister in einem Interview der Zeitung "Hürriyet". Ein wirkungsvolleres Gegenmittel als Erdogans Appelle könnte es sein, dass die türkische Zentralbank die Zinsen erhöht. Dadurch würden dem Finanzmarkt rund zehn Mrd. Dollar an Liquidität zugeführt.

Zusätzlich zum US-Dollar könnten Euro zur Absicherung von Lira-Reserven genutzt werden.

Die türkische Lira, die seit Jahresbeginn bereits mehr als 45 Prozent ihres Wertes verloren hat, notierte an den fernöstlichen Devisenmärkten am Montag daraufhin etwas fester. Gestern stürzte die türkische Lira auf ein rekordverdächtiges Tief: Erstmals gab es mehr als sieben Lira für einen Euro. Es war der größte Verlust an einem einzigen Tag seit 2001.

Berlin/Ankara. Am 24. Juni wähnte sich der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Ziel seiner Wünsche. So wächst die Besorgnis, dass die Notenbank ihre Unabhängigkeit verliert. Dieser hatte sich noch einmal verschärft, weil Erdogan in mehreren kämpferischen Reden von "Kampagnen" gegen sein Land gesprochen und die USA erneut verbal angegriffen hatte.

Ähnlich hatte sich bereits Erdogan zuvor geäussert. Die Staatsanwaltschaft ist neuerdings angehalten, juristisch gegen Personen vorzugehen, die sich mit schriftlichen oder audiovisuellen Nachrichten negativ über die Wirtschaft im Land äußern.

Gestern behauptete Präsident Erdogan während eines Treffens der AKP-Parteispitzen in der Schwarzmeerstadt Trabzon, dass die Schuld für den Währungsverfall außerhalb zu suchen sei. Erdogan hat sich selbst wiederholt als "Gegner der Zinsen" bezeichnet und angekündigt, eine größere Kontrolle über die Geldpolitik auszuüben. Anleger befürchten jedoch, dass es zu einer Überhitzung kommen könnte. Die Währungshüter könnten mit Zinserhöhungen versuchen, die Lira zu stützen und die Inflation zu bremsen. In Richtung US-Präsident sagte der Staatspräsident: "Du kannst nicht einfach aufwachen und sagen "ich führe diese Zölle auf Stahl und Aluminium ein".

Am Freitag rief Erdogan die Türken erneut dazu auf, Dollar, Euro und Gold in die Landeswährung umzutauschen. Wenn die USA die Souveränität der Türkei nicht respektierten, könne die Partnerschaft in Gefahr geraten. Sollte der Trend des Alleingangs und der Respektlosigkeit der USA nicht umgekehrt werden, werde es für die Türkei nötig, sich "nach neuen Freunden und Verbündeten umschauen", so Erdogan.

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