Cockpit fordert Kompromissbereitschaft von Ryanair - Aktuelle Wirtschaftsnachrichten

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Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair streicht am Freitag wegen des Pilotenstreiks in Deutschland 250 Flüge. Mitten in der Urlaubszeit mussten die Iren jeden sechsten Flug ihres europaweiten Tagesprogramms absagen und damit rund 55.000 Passagiere enttäuschen. Betroffene Kunden sollen noch am Mittwoch per E-Mail und SMS darüber informiert werden, ob sie von den Annullierungen betroffen sind.

Ryanair hatte zuletzt behauptet, die Flug-Kapitäne könnten bis zu 190.000 Euro im Jahr verdienen. "Viele Bürger schreiben uns, dass es allerhöchste Zeit für diesen Streik gewesen sei und dass auch Ryanair endlich angemessene Arbeitsbedingungen schaffen müsse". Am Samstag soll der Betrieb wieder wie gewohnt laufen, hatte Ryanair angekündigt.

In den vergangenen Monaten hatte die Ryanair-Führung mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und ihres Präsidenten, Martin Locher zwar darüber verhandelt. Der in der Nacht zum Freitag gestartete Arbeitskampf sollte nicht verlängert werden, wie die Gewerkschaft mitteilte.

Die Auswirkungen des auf 24 Stunden begrenzten Streiks werden an den deutschen Flughäfen voraussichtlich vor allem am frühen Morgen und ab dem Nachmittag zu spüren sein. Auch in Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden hatten Piloten ihre Arbeit niedergelegt, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Das teilte das Unternehmen am Mittwochnachmittag in Frankfurt mit. Die Bilanz: Es war der größte Streik in der Geschichte der Billig-Airline. Flugausfälle habe es dort aber nicht gegeben. Auch kritisiert die Gewerkschaft, dass einige ihrer Piloten scheinselbstständig beschäftigt sind und dadurch viele Kosten selbst tragen müssen. "Ufo unterstützt den Streik der Kolleginnen und Kollegen der VC als legitimes letztes Mittel, den Arbeitgeber zu substantiellen Zugeständnissen zu bewegen", sagte Vorstandsmitglied Christoph Drescher den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). Notwendig sei "ein Umdenken in der Konzernzentrale", sagte Cockpit-Verhandlungsführer Ingolf Schumacher. "Gleichzeitig hat Ryanair zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, an welchen Stellen Spielräume zur Lösungsfindung bestehen", erklärte der Gewerkschafter.

Ist der Ryanair-Flug Teil einer Pauschalreise, ist nicht die Airline der Ansprechpartner, sondern der Reiseveranstalter.

Die Gewerkschaft möchte unter anderem erreichen, dass die Gestaltung bei manchen Gehältern sich ändert. Derzeit bekommen die Piloten ein relativ geringes Grundgehalt. Der Rest, den die Piloten dann aufstocken können, bemisst sich dann an den tatsächlichen Flugstunden. Auch wirft Cockpit dem Unternehmen vor, die Piloten müssten zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten als Kollegen bei anderen Billigfliegern. Vorhaltungen des Ryanair-Managements, man verlange Gehaltserhöhungen von mehr als 60 Prozent, wies Schumacher als falsch zurück. "Ryanair muss endlich akzeptieren, dass die Zeit der Schreckensherrschaft und Willkür endet". Bisher zeige sich Ryanair als "sachlicher" Gesprächspartner, sagte Drescher. Riexinger schlug vor, Start- und Landerechte von arbeitsrechtlichen Mindeststandards abhängig zu machen.

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