RYANAIR: Deutsche Piloten drohen mit Streik in den Ferien

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Lediglich die Kollegen in Baden-Baden schließen sich nicht an.

Wie eine Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts Yougov kürzlich zeigte, leidet das Image von Ryanair durch den Streit. Die Airline hat europaweit rund 400 Flüge abgesagt, von denen 250 auf Deutschland entfallen.

Auf dem Papier arbeiten viele als Selbstständige, die von Ryanair angeheuert werden. Rund 55.000 Kunden müssten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen, erklärte Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs am Mittwoch.

Ryanair strich daraufhin nahezu das komplette Programm, das am Freitag mit den in Deutschland stationierten Maschinen geplant war. Wie aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens für 2017 hervorgeht, bleiben Piloten im Schnitt nur vier Jahre bei Ryanair. Eine Streikankündigung erst 48 Stunden vor den ersten Ausständen sei unfair gegenüber den Kunden. Das Unternehmen entschuldigte sich bei den Passagieren für die Störungen und versprach, sie per SMS und E-Mail zu informieren und ihnen eine kostenlose Umbuchung anzubieten. Etwa jeder dritte deutsche Kunde könne seinen Flug antreten, meinte Betriebschef Peter Bellew. Ryanair entschuldigte sich bei den Passagieren für die Störungen.

Die Forderungen der Vereinigung Cockpit an Ryanair würden sich auf Verbesserungne der Vergütungs- und Arbeitsbedingungen beziehen, so Cockpit-Präsident Martin Locher.

Bellew betonte allerdings auch: "Wir werden unser Geschäftsmodell nicht aufgeben". "Wir werden keine Lufthansa werden, wir werden unser Billigmodell nicht ändern". Alle betroffenen Passagiere sollen auf andere Ryanair-Flüge umgebucht werden oder ihr Geld zurückbekommen.

Es können alle Verbindungen des Billigfliegers betroffen sein, die zwischen Freitagfrüh um 03:01 Uhr und Samstagfrüh um 02:59 Uhr aus Deutschland abfliegen sollen, teilte die Vereinigung Cockpit mit.

Frankfurt (Reuters) - Mitten in der Ferienzeit machen die deutschen Ryanair-Piloten mit ihrer Streikdrohung ernst und durchkreuzen die Reisepläne von Zehntausenden Passagieren. Die Pilotengewerkschaft VNV erklärte, "dieser europäische Pilotenstreik sollte ein Weckruf für das Ryanair-Management sein". "Der Streik betrifft Belgien, Schweden und Irland", schreibt Vivienne Gaskell, Leiterin Kommunikation des EuroAirport, auf Anfrage. Die VNV sei "überrascht" und "wütend".

In den Niederlanden kündigte die Pilotengewerkschaft VNV an, sich den Streiks am Freitag anzuschließen.

Beide Berufsgruppen wollen bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen bei der irischen Airline durchsetzen, die sich jahrzehntelang gegen Gewerkschaften und tarifliche Vereinbarungen gewehrt hatte. "Es muss Schluss damit sein, dass Ryanair von heute auf morgen quasi seinen Piloten sagen kann, ich versetze dich jetzt auf eine andere Station irgendwo in Europa", sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik bei der Gewerkschaft.

Die Vereinigung Cockpit schloss weitere Streiks nicht aus.

Die VC hat nach Angaben ihres Tarifexperten Schumacher keine konkrete Geldforderung gestellt.

Jacobs kritisierte die VC scharf dafür, dass sie ihren Streik nicht sieben Tage zuvor angekündigt hatte.

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