Klitschko packt aus: "Ich habe das Boxen nie geliebt"

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Das tränennasse Gesicht hat er in seinen großen Händen vergraben. Er trainiert immer noch hart und hat seine alten Gewohnheiten aus Boxertagen nicht abgelegt. Szenen, die einen Einblick geben in die Seele eines Faustkämpfers.

Im Jahr 1996 war "Dr. Steelhammer", so sein Spitzname, Profi geworden und hatte bis zu seinem Karriere-Ende 69 Kämpfe (64 Siege, 54 Knockouts) bestritten. "Ich habe es (das Boxen; Anm.) nicht leidenschaftlich geliebt", sagte der 42-Jährige in einem Interview mit "t-online". "Du machst dich wochenlang heiß, um die Person zu werden, die dann im Ring steht mit den Eigenschaften, die es braucht, um diesen speziellen Gegner zu bezwingen". Die Metabotschaft zu diesen Sätzen lautet: Der eigentliche Mensch Wladimir Klitschko ist nicht in den Kampf gezogen.

Und weiter: "Ich war in der Sowjetunion in einer Art Käfig. Reisen war unmöglich, außer, wenn du Politiker warst - oder Sportler".

"Ich habe die Rolle eines Profi-Boxers eingenommen. Ich bin kein geborener Boxer", sagte Klitschko, der 2017 seine Karriere beendet hatte. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Wladimir Klitschko (42) gilt immer noch als einer der besten Boxer der jüngeren Sportgeschichte.

"Als Leistungssportler verstehe ich noch immer nicht, wie ich gegen Anthony Joshua verlieren konnte". Seine Zukunft lässt der Ex-Weltmeister vorerst offen. Erst Trainer-Legende Emanuel Steward habe seine Einstellung verändert: "Er hat mir die Liebe zum Box-Sport vermittelt, weil er mir zeigte, dass es um mehr geht, als nur um Draufhauen".

Als Tiefpunkte seiner Karriere beschreibt er die überraschenden Niederlagen gegen Corrie Sanders und Lamon Brewster 2003 und 2004. "Ich war der Champion - und dann kamen plötzlich zwei Niederlagen innerhalb eines Jahres". Doch der kleine Bruder von Schwergewichtslegende Vitali Klitschko (47) wechselte kurz darauf seinen Trainer. "Die Zeiten waren brutal schwer", erzählt Wladimir. Mein eigener Bruder sagte mir: "‹Du musst mit dem Boxen aufhören.›" Nach den Niederlagen feierte Wladimir Klitschko jedoch noch zahlreiche Siege. Mit einer Niederlage gegen Anthony Joshua trat der Ukrainer im April 2017 aus dem Boxring ab, da hatte er schon längst den Status einer Legende. Im Jahr 2004 stand seine Karriere allerdings auf der Kippe. Klitschko war nicht nur ein Boxer, er ist bis heute ein Sympathieträger, der sich sozial und politisch engagiert. Der Vater einer dreijährigen Tochter wünscht sich noch ein weiteres Kind.

"Ich habe 27 Jahre lang die Haltung gehabt, dass ich an einem Samstagabend um 23 Uhr physisch und mental zu hundert Prozent fit sein muss". Er habe sich wie in einem Käfig gefühlt, sagt Klitschko.

In einem länger zurückliegenden Gespräch hat Wladimir Klitschko schon einmal bestätigt, dass sein auch auf anderen Gebieten geschulter Geist es ihm erleichtert habe, seinen Körper bis zum Äußersten zu treiben.

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