Das Volk der Rumsitzer: Die Deutschen leben ungesund

Einstellen Kommentar Drucken

Für den Gesundheitsreport wurden im Auftrag der DKV fast 2.900 Deutsche ab 18 Jahren befragt. "Es war noch nie so schlecht wie jetzt", sagt Ingo Froböse.

Die erfreuliche Botschaft aus Sicht der Gesundheitsexperten: In Deutschland gibt es immer mehr Nichtraucher. Als Grundlage für die Studie führte ein Meinungsforschungsinstitut im Frühjahr bundesweit 2885 umfangreiche Telefoninterviews. Laut einer Studie der Krankenversicherung DKV erreichen nur noch 43 Prozent der Befragten das empfohlene Mindestmaß an körperlicher Aktivität. Der Wert ging gegenüber den früheren Studien deutlich zurück, noch 2010 lag er bei 60 Prozent. "Es ist ein trauriges Ergebnis". Immer mehr Menschen würden sich in Arbeit und Freizeit nicht ausreichend bewegen.

"Damit wird der Weg für viele zivilisationsbedingte Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Übergewicht, Bluthochdruck, verschiedene Krebsarten, Diabetes Typ II sowie für weitere Erkrankungen immer weiter geebnet", warnen die Autoren des DKV-Reports.

Die Hamburger und Sachsen sind in diesem Jahr Spitzenreiter in puncto gesunder Lebensstil. Diese umfassen wöchentlich 150 Minuten moderate Bewegung wie beispielsweise zügiges Gehen und 75 Minuten sportliche Aktivität wie Joggen.

Einen positiven Trend gibt es beim Rauchen. Jeder Zehnte gab an, keiner körperlichen Aktivität nachzugehen, die länger als zehn Minuten am Stück andauert. "Das Ergebnis ist tragisch", so Ingo Froböse, "und trotzdem passiert nichts, denn keiner scheint ein grundsätzliches Interesse daran zu haben, dass wir gesund bleiben".

Männer sitzen dabei länger als Frauen, Alte insgesamt weniger als Jüngere. Nur 40 Prozent der Besserverdiener realisieren die Empfehlungen zur körperlichen Aktivität.

Berlin. Auto statt Fahrrad, Fernsehen statt Spaziergang, Bürostuhl statt Werkbank: Die Deutschen sitzen bedenklich oft rum. Je höher ihr Bildungsabschluss ist, desto länger sitzen die Deutschen während ihrer Arbeitszeit. Kaum verändert haben sich die Zahlen zur Ernährung und zum Alkoholkonsum: Knapp die Hälfte der Befragten ernährt sich gesund, 18 Prozent trinken zu viel Alkohol. Zwölf Prozent der Befragten erreichen hier alle fünf Zielwerte. Auf dem letzten Platz landete Hessen mit einem Anteil von sieben Prozent.

Den gesündesten Umgang mit Stress pflegen die Baden-Württemberger. Leider erlahmen die Deutschen einer Studie zufolge immer mehr. Knapp ein Viertel von ihnen sagt, dass sie es fast nie schaffen, frisch in den Tag zu starten.

Für die Studie, die in diesem Jahr zum sechsten Mal durchgeführt wurde, interviewte das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK in jedem Bundesland etwa 200 Personen zu ihrem Gesundheitsverhalten. Wer sich einsam fühlt, leidet unter chronischem Stress, mit entsprechend schädlichen Konsequenzen.

Umso wichtiger werde das Thema Regeneration für die Gesellschaft, erklären die Autoren des Reports. Die Subjektivität präge das Ergebnis, "und das ist schon schlimm genug".

Comments