Neue Ermittlungen: Thomas Middelhoff soll Millionen beiseite geschafft haben

Einstellen Kommentar Drucken

Der Verdacht: Er soll vor seiner Privaltinsolvenz Teile seines Vermögens beiseite geschafft haben. Von diesen saß Middelhoff gut eineinhalb Jahre im offenen Vollzug ab, bevor er am 16. November 2017 vorzeitig entlassen wurde. Er habe sich im Gefängnis eines besseren Lebens besonnen und zu Gott zurückgefunden, zumal ihn die schlimmen Bedingungen im Knast krank gemacht hätten. Er tourte durch Talkshows, derzeit schreibt er nach eigenem Bekunden an einem Wirtschaftskrimi.

Middelhoff soll demnach vor seiner Privatinsolvenz 2015 Millionensummen an eine Firma überwiesen haben, die seiner Frau und seinen Kindern gehörte und Gläubiger betrogen haben.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat offenbar ein neues Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Spitzenmanager Thomas Middelhoff und gegen seinen Rechtsanwalt Hartmut Fromm eingeleitet. Das habe die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigt, berichteten WDR und "Süddeutsche" am Dienstag. Er verwies ebenfalls auf die eingestellten Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft. Middelhoff und Fromm gaben auf Nachfrage an, von den Ermittlungen und der Klage nichts zu wissen. Von Uwe Ritzer mehr.

Die Informationen stammen von Middelhoffs Insolvenzverwalter Thorsten Fuest.

Der frühere Arcandor-Chef Middelhoff war im November 2014 vom Landgericht Essen unter anderem wegen Veruntreuung von Konzernvermögen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Dann allerdings geriet er finanziell in die Klemme. Am 31. März 2015 stellte er laut dem Bericht Antrag auf ein Privatinsolvenzverfahren. Middelhoff bestreitet dies: Er sei fest vom Erfolg einer Schadensersatzklage gegen seine frühere Hausbank Sal. Üblich und legal sei das, behaupteten beide immer. In einer eidesstattlichen Erklärung gibt der Münchner Unternehmensberater Roland Berger an, Middelhoff habe ihm im Januar 2014 erzählt, dass er sich auf eine Privatinsolvenz vorbereite. Der versichert hingegen, nur legale Maßnahmen einer "Asset Protection" (Vermögensschutz) umgesetzt zu haben.

Die Grundlage der Fuest-Klage ist ein umfangreiches Gutachten der renommierten Wirtschaftskanzlei TaylorWessing. Allerdings nur vorerst. Nun nehmen die Ermittler aus Bielefeld die Fährte wieder auf. "Sollte ich trotz rechtlicher Beratung einen Beurteilungs- oder Ermessensfehler begangen haben, den ich wirklich nicht erkennen kann, werde ich natürlich zu meiner Verantwortung stehen", so Middelhoff.

Auch Fromm ließ über seine Anwälte ausrichten, die neuen Ermittlungen seien ihm nicht bekannt. Doch laut des Insolvenzgutachtens soll Middelhoff spätestens im Dezember 2011 zahlungsunfähig gewesen sein.

Den Insolvenzzeitpunkt setzt das Gutachten auf das Jahr 2011 fest. Eine wichtige Rolle spielt auch eine Hypothek auf die Villa Aldea in St. Tropez, in der Middelhoff einst residierte. Fromm soll ihn dabei unterstützt haben. Diese sei dem Bankrott-Vorwurf bereits 2015 nachgegangen, habe die Ermittlungen jedoch eingestellt. Nun prüfen die Bielefelder Fahnder die Vorgänge erneut.

Comments