Rücktritt von Mesut Özil : Maas: "Wir verlieren gerade mehr als einen Topspieler"

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Fast parallel zur Stellungnahme des DFB hat sich auch Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und gleichzeitig Mitglied des DFB-Präsidiums, separat zum Fall Özil geäußert. Was für eine Botschaft. "Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen", sagte Hoeneß laut "Sport Bild" vor dem Abflug des deutschen Rekordmeisters in die USA.

Paul Ziemiak (CDU), Vorsitzender der Jungen Union, warf Özil vor allem politische Naivität vor.

Auch im britischen Guardian findet das Thema bereits Beachtung: Dort heißt es, Özils Rückzug aus dem internationalen Fußball illustriere auf traurige Art und Weise, dass die Gedanken des Multikulturalismus in einer polarisierenden Welt Mühe hätten, die Oberhand zu behalten.

Özil lenkt damit auch die Diskussion von ihm selbst ab: Von seiner der fehlenden Sensibilität bei einem Fototermin mit dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan. Eine mindestens unglückliche Aktion, was die Kanzlerin seinerzeit auch über ihren Sprecher so kommentieren ließ - aber ob in ihr wirklich der Grundstein für das schlechte deutsche WM-Abschneiden gelegt wurde, wie manche Medien und Teile der Öffentlichkeit behaupten? Wie immer ist die Sache viel komplizierter.

Mesut Özil ist zurückgetreten - und jetzt meldet sich zu diesem Rücktritt ausgerechnet Uli Hoeneß zu Wort. Er wolle nicht länger als Sündenbock für die Inkompetenz von Grindel dienen. "Und dass Mesut Özil das Gefühl hatte, als Ziel rassistischer Parolen gegen seine Person nicht ausreichend geschützt worden zu sein, (.) bedauern wir". Die Debatte in Deutschland über Integration und Rassismus hat auf einmal ein prominentes Beispiel.

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Gerade weil er sich auf einen respektvollen Umgang und die Meinungsfreiheit berufe und damit sachliche Gründe für das Foto hätte, hätte er sich in unserer heutigen Informationsgesellschaft viel früher zu Wort melden müssen, so Fink weiter. Weiter schrieb er: "Aber stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war".

Richtig sei, dass die deutschen Medien kritisch hinterfragt hätten, warum sich Özil mit dem türkischen Präsidenten Erdogan habe ablichten lassen, sagte der DJV-Vorsitzende. Er sei in den vergangenen Jahren einer der Leistungsträger der Nationalmannschaft gewesen. Zugleich bedauerte der Deutsche Fußball-Bund in seiner Erklärung am Montag den Rücktritt des 92-maligen Nationalspielers. Da müsse man "gegenhalten - für ein offenes, tolerantes Land, in dem Rassismus geächtet wird", sagte Nahles der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Öztürk: "AfD-Sprech können wir an der DFB-Spitze nicht gebrauchen".

Die Erklärung des türkischstämmigen Özil rief zahlreiche Reaktionen auch aus der Politik hervor und löste eine Debatte über Integration in Deutschland aus.

Durch Özils Rücktritt ist dem DFB, der im Zuge dieser Affäre zu keinem Zeitpunkt souverän gewirkt hat, eine womöglich unliebsame Entscheidung abgenommen worden.

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