Geflüchtete Menschen auf der "Diciotti": Italien erlaubt Verlassen des Schiffes

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Malta argumentierte aber, das Schiff befände sich näher an italienischem als an maltesischem Staatsgebiet. Indem europäische Regierungen Seenotrettungseinsätze von Schiffen wie der "Sea-Watch" verhinderten, "erzwingen sie gewissermaßen eine unterlassene Hilfeleistung", sagte Rekowski dem Evangelischen Pressedienst. Auf Facebook postete er eine Kopie von seinem Schreiben an Vertreter der EU-Kommission und zeigte sich über die Reaktion zufrieden.

Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen kritisierte die erneute Blockade.

Italien werde ebenfalls einige der Geretteten aufnehmen. Bei einem Gespräch mit Premier Giuseppe Conte drängte Salvini, dass die beiden Schiffe die Migranten nach Libyen oder Malta bringen.

Freilich könnten nicht alle Menschen, "die auf der Suche nach einem besseren Leben sind", in Europa aufgenommen werden.

Rom. Die Krise in Italiens Regierung wegen des harschen Migrationskurses von Innenminister Matteo Salvini spitzt sich zu: Trotz des klaren Nein des Lega-Chefs verließen nun Migranten ein italienisches Schiff, das am Donnerstag im sizilianischen Trapani angelegt hatte. Er habe ihnen "die Logik und den Geist des Teilens in den Schlussfolgerungen" des EU-Gipfels Ende Juni in Erinnerung gerufen.

Nach Medienangaben intervenierte am Donnerstagnachmittag der italienische Präsident Sergio Mattarella mit einem Appell an Conte, um die Situation aufzulösen.

Um den Druck auf die EU-Partner in der Migrationsfrage zu erhöhen, hatte die neue Regierung aus der fremdenfeindlichen Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung in den vergangenen Wochen mehrfach Schiffe mit geretteten Migranten auf dem Meer blockiert.

In der Migrationskrise fühlt sich Italien seit langem allein gelassen. Tage zuvor hatten Italien und Malta das Rettungsschiff "Aquarius" mit 630 Flüchtlingen an Bord zurückgewiesen, so dass es nach Spanien umgelenkt werden musste. Salvini twitterte: "Willen ist Macht". Derzeit sind keine privaten Seenotretter im Mittelmeer unterwegs, die Migranten von seeuntüchtigen Booten holen. Dort drohen ihnen nach Angaben von Hilfsorganisationen Vergewaltigungen, Schläge und Versklavung. Ob die übrigen Menschen auch nach Italien gefahren werden, war zunächst jedoch unklar. Sie wurden zu verschiedenen Häfen in Andalusien gebracht.

Italien ist das Hauptankunftsland für Menschen, die von Afrika aus über das Mittelmeer in die EU fliehen.

Laut der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini sind in den vergangenen Monaten rund 20.000 Migranten mit internationaler Unterstützung freiwillig aus Libyen in ihre Heimat zurückgekehrt. Viele Flüchtlinge, die die gefährliche Flucht wagen, brechen in Libyen auf, wo seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi 2011 chaotische Zustände herrschen.

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