Befristete Verträge - Viele Lehrer sind arbeitslos in den Sommerferien

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Im Ländle werden dieses Jahr wieder 3300 Lehrer mit den Sommerferien arbeitslos.

Für die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, ist das ein Unding. Die Länder sparen dadurch Millionen ein. "Insgesamt kommt so eine Größenordnung von 9000 Lehrkräften in Baden-Württemberg, die mit Beginn der Sommerferien arbeitslos werden, zusammen", sagte ein Sprecher.

Eine Weiterbeschäftigung so genannter Vertretungslehrer sei angeblich zu teuer, dies würde das Land während der Ferienzeit 12,5 Mio Euro kosten, so ein Sprecher des Kultusministeriums. Im Sommer 2017 verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit rund 4900 Arbeitslosmeldungen von Lehrern. Der Bericht vermerkt, "dass die Zahl arbeitsloser Lehrkräfte regelmäßig in den Sommerferien stark ansteigt". Denn da reicht eine Unterbrechung des Arbeitsvertrags während der Sommerferien nicht aus, dafür bräuchte man mindestens eine dreimonatige Pause. Die anderen Bundesländer liegen darunter. "Das Schlimme ist, dass es dann wirklich für die Kollegen und Kolleginnen im Einzelfall eine totale Unsicherheit ist", sagt sie.

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, forderte 50 000 neue Planstellen. "Ich halte es für skandalös, dass sich trotz Lehrermangels und massiven Unterrichtsausfalls viele Bundesländer weigern, befristete Verträge in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse umzuwandeln", sagte er der "Bild"-Zeitung" (Montag)". Junge motivierte Lehrkräfte würden als beliebig verschiebbare Manövriermasse missbraucht.

Baden-Württemberg schickt im Vergleich der Bundesländer die meisten Lehrer während der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit. Auch im relativ kleinen Hamburg (260) sei das Phänomen besonders erkennbar gewesen. Der Sprecher betonte, dass die befristete Beschäftigung im Südwesten die große Ausnahme sei. Das ist beispielsweise bei einer Elternzeit- oder Krankheitsvertretung noch am ehesten zu verstehen - aber es wird aus meiner Sicht fragwürdig, wenn die Schule von einem Vertretungskonzept raunt, das sie aber weder genau ausführen noch vorlegen kann. Die meisten Kultusministerien äußerten sich ähnlich.

Unter den übrigen befristet beschäftigten Lehrern seien auch solche, die sich bewusst für diese Situation entschieden hätten.

In Mecklenburg-Vorpommern läuft zum Ende des Schuljahres für 171 Lehrer an öffentlichen Schulen die befristete Anstellung aus. Befristet beschäftigte Lehrer müssten über die Sommerferien bezahlt werden. Wer dieses Glück hat, war kurz vor Beginn der Ferien aber noch offen. "Da Rheinland-Pfalz die Vertretungen in Zukunft in den Sommerferien bezahlen wird, ist mit einer weiteren Abwanderung von Lehrkräften zu rechnen". Rund 1000 Lehrer könnten davon profitieren. Drei Prozent aller Lehrer im Südwesten würden befristet beschäftigt. In Saarland sind nach Kultusministeriumsangaben dieses Jahr nur 38 Lehrer betroffen. FDP-Bildungsexperte Timm Kern sagte, die möglicherweise drohende Saison-Arbeitslosigkeit von Lehrern und Kettenverträge seien alles andere als gute Werbemittel für den Lehrerberuf.

Auch die GEW-Vorsitzende Tepe sieht einen Rückgang, hält aber an der Kritik fest: "Das macht unseren Beruf nicht attraktiv".

Laut GEW-Angaben hätten Nachwuchslehrer sogar keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, da sie als Beamte auf Widerruf nicht in der Arbeitslosenversicherung versichert seien.

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