Nach Johnson-Rücktritt: May beruft neuen Außenminister

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Der Mitteilung zufolge akzeptierte Premierministerin Theresa May (61) am Nachmittag das Rücktrittsgesuch ihres Außenministers - und größten Kritikers. Der konservative Abgeordnete Jacob Rees-Mogg, der zu den führenden Anhängern eines harten Austritts gehört, sagte der BBC, es werde "sehr schwierig" für May, die Unterstützung für ihre Pläne zu bekommen ohne Davis. Zum neuen Außenminister berief sie am Montagabend den bisherigen Gesundheitsminister Jeremy Hunt.

Der Aderlass in der britischen Regierung geht weiter: Boris Johnson, eine der treibenden Kräfte hinter dem Brexit-Entscheid, nimmt seinen Hut.

Unter den britischen Konservativen gibt es einen erbitterten Streit darüber, ob es einen "harten" oder "weichen" Brexit geben soll.

Der für seine unverblümten und undiplomatischen Äußerungen berüchtigte Johnson hatte seinen Rücktritt erklärt, wenige Stunden nachdem bereits Brexit-Minister David Davis das Handtuch geworfen hatte. Nachfolger von Davis soll Dominic Raab werden, wie der Regierungssitz Downing Street mitteilte.

May hatte sich am Freitag im Kabinett mit ihrer Linie für einen Brexit durchgesetzt, nach der Großbritannien mit der EU in einer Freihandelszone für Industriegüter und landwirtschaftliche Produkte verbunden bleibt. Neun Monate vor dessen Inkrafttreten ist jetzt unklar, ob May eine Rebellion der Brexit-Hardliner in ihrer Partei abwenden kann.

Er begrüßte, dass die Regierung in London in Kürze ihre Vorschläge auf den Tisch legen wolle. Fraglich ist, ob Johnson nun selbst Regierungschef werden will.

Die Turbulenzen zeigen nun, dass fast jede Art von Brexit möglich ist, "von einem Extrem, in dem Großbritannien ohne einen Deal im März ausbricht, bis zum anderen Extrem, dass das Parlament nicht in der Lage sein wird, sich auf einen Brexit-Deal zu einigen und den Austritt Großbritanniens verzögern oder gar rückgängig machen könnte". Mit diesem zweiten Ministerrücktritt innerhalb eines Tages verstärkt sich der Eindruck einer Regierungskrise in London.

May verteidigte unterdessen ihren kooperativen Kurs in den Brexit-Verhandlungen. Stürzen wollen er die Premierministerin nicht.

Für May ist der Rücktritt von Davis ein heftiger Schlag.

Als Begründung für seinen Abtritt nannte Davis Differenzen über die neue Brexit-Strategie der Regierungschefin. Er gilt als wichtigster Brexit-Hardliner im Kabinett und bezeichnete Mays neue Brexit-Pläne Berichten zufolge während der Kabinettsklausur als "Scheißhaufen". Sie muss mit weiterem Widerstand aus dem Brexit-Flügel ihrer Partei rechnen.

Das politische Überleben von Theresa May (61) hängt damit am seidenen Faden - mehr denn je. Etwa ein Fünftel der Abgeordneten ihrer Fraktion werden dazu gezählt. Außerdem drohten weitere Konzessionen an Brüssel im Lauf der Verhandlungen. EU-Ratspräsident Donald Tusk reagierte zurückhaltend auf die Rücktritte der Minister Davis und Johnson. Jeremy Corbyn, der Chef der Labour-Partei, verspottete May am Montag und sagte, "sie habe zwei lange Jahre gebraucht, um einen Brexit-Plan zu entwickeln und nur zwei Tage, um diesen Plan zunichtezumachen". Mit Spannung wird erwartet, ob er sich dabei zu seiner Zukunft als Minister äußern wird.

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