Auch britischer Außenminister Johnson zurückgetreten

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Am meisten trug wie so oft Außenminister Boris Johnson zur Ungewissheit bei. Sein Rücktritt sei eine Gewissensentscheidung getroffen, sagte Davis in einem BBC-Interview.

Davis dagegen tritt zurück, weil er Mays Kurs für schädlich hält. Besser noch, Premierministerin May "hätte ihn schon längt feuern sollen". May hatte zuvor blitzschnell auf den Rücktritt von Davis reagiert und ihn mit dem bisherigen Staatssekretär Dominic Raab ersetzt. "Premierministerin May hat vernünftigerweise erkannt, dass die roten Linien, die sie gezogen hatte, um die Hardliner in ihrer Partei zufriedenzustellen, ein Desaster für die britische Wirtschaft und die Arbeitsplätze gewesen wären", kommentiert das Blatt.

Der bisherige Gesundheitsminister Jeremy Hunt wird neuer britischer Aussenminister. Sie muss mit weiterem Widerstand aus dem Brexit-Flügel ihrer Partei rechnen. Etwa ein Fünftel der Abgeordneten ihrer Fraktion werden dazu gezählt. Selbst ein Sturz der Premierministerin scheint nicht mehr ausgeschlossen. Großbritannien will die EU im März 2019 verlassen.

London. Der britische Außenminister Boris Johnson tritt nach Angaben der Regierung zurück. Die von May angestrebte Beibehaltung einer engen wirtschaftlichen Anbindung an die Europäische Union nach dem Brexit wollte Davis nicht mittragen.

Großbritannien braucht einen neuen Verhandlungsführer für die Gespräche über den Austritt aus der Europäischen Union. Grossbritannien gebe "zu leichtfertig zu viel her". In einem ungewöhnlich direkten Rücktrittsschreiben schrieb Davis, May verfolge nicht länger einen rechten Kurs.

Der Haken aus Sicht der Kritiker: Alles könnte auf eine so enge Verzahnung mit Brüssel hinauslaufen, dass auf der Insel bereits ein neues Wort für einen Windelweich-Brexit kursiert: "Brino" - für "BRexit In Name Only".

Die britische Premierministerin Theresa May stimmte am Freitag ihr Kabinett auf den neuen Brexit-Plan ("Dritter Weg") ein. Er hatte bereits in der Vergangenheit mit seinem Rücktritt gedroht, sollte May das Land zu eng an Brüssel binden. Danach wird sie vor einer Gruppe einflussreicher Hinterbänkler aus ihrer konservativen Fraktion erwartet, dem sogenannten 1922-Komitee. Das Treffen gilt als entscheidend. Der erzkonservative Abgeordnete Jacob Rees-Mogg warnte May davor, sich bei ihren Brexit-Plänen auf die Unterstützung der Opposition zu verlassen. Dennoch ging er nicht davon aus, dass ein Misstrauensvotum gegen May unmittelbar bevorsteht. Dieser war aus Protest gegen die Brexit-Politik der Regierungschefin von seinem Amt zurückgetreten. Am Abend verkündete May, die Regierung habe sich auf eine neue Strategie für den EU-Austritt verständigt. "Zwei Jahre mit Sprüchen, Zögern und internen Kämpfen im Kabinett". May hatte am Wochenende offenbar nur mit Mühe das Kabinett auf ihren Brexit-Plan einschwören können.

Plane May nun gar ein parteiübergreifendes Bündnis mit den Sozialisten, um Großbritannien im Binnenmarkt und in der Zollunion der EU zu halten, statt das Land aus der EU zu führen, fragten empörte mache konservativen Tories. In den bevorstehenden Verhandlungen müsste London also weitere Zugeständnisse machen. Das will Davis nun verhindern, indem er vom Parlament aus Druck auf die Regierung ausübt.

Während der in der Nacht zurückgetretene Brexit-Minister David Davis am Montagvormittag Nachrichten in sein Smartphone tippt ... Er gehe davon aus, dass die Verhandlungen in Brüssel ohnehin bis zur allerletzten Minute gehen werden.

Für May, die seit der Neuwahl im vergangenen Jahr im Parlament nur noch über eine hauchdünne Mehrheit verfügt, sind die Rücktritte ein herber Schlag.

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