Stahlkonzern im Umbau: ThyssenKrupp-Chef kündigt Rücktritt an

Einstellen Kommentar Drucken

Hiesinger habe den Aufsichtsrat um Gespräche gebeten, die "zur einvernehmlichen Auflösung seines Mandats als Vorsitzender des Vorstands der thyssenkrupp AG führen sollen".

Bittet um Vertragsauflösung: Heinrich Hiesinger, Vorstandschef von Thyssenkrupp.

Am Freitag werde der Aufsichtsrat über das Gesuch beraten, hieß es weiter in der Mitteilung des Dax-Konzerns. Gründe für das Ansinnen Hiesingers wurden nicht genannt.

Mitten in der geplanten Fusion mit dem Rivalen Tata hat ThyssenKrupp-Chef Hiesinger seinen Rücktritt angekündigt. Voraussetzung für eine "erfolgreiche Unternehmensführung" sei "ein gemeinsames Verständnis von Vorstand und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung des Unternehmens", erklärte er. Das Unternehmen des Milliardärs Paul Singer war erst Ende Mai mit weniger als drei Prozent bei den Essenern eingestiegen - und hatte indirekt Hiesinger als Grund für die vermeintlich schwache Entwicklung der Aktie verantwortlich gemacht. Der 58-Jährige steht seit Anfang 2011 an der Spitze des Konzerns und hat noch einen Vetrag bis 2020. Großaktionär Cevian, der US-Hedgefonds Elliott und weitere Investoren hatten den Manager vorgeworfen, den Umbau des Konzerns nur unzureichend voranzutreiben.

Aktionärsvertreter waren noch davon ausgegangen, dass Hiesinger nach der Fusionsentscheidung wieder deutlich fester im Sattel sitze. Sein als Befreiungsschlag gedachtes Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel dauerte über zwei Jahre, ehe es zustande vor wenigen Tagen zustande kam.

Hiesinger wirft unter dem Druck einer wachsenden Kritik von Investoren das Handtuch.

Sein Aufsichtsratschef Lehner stimmte bereits am Donnerstag, also noch vor der Einigung über die Abschieds-Modalitäten, eine Eloge an: "Ohne Heinrich Hiesinger würde es Thyssenkrupp nicht mehr geben". Hiesinger wollte eigentlich in der kommenden Woche dem Aufsichtsrat seine Strategiepläne für den Mischkonzern nach der Fusion präsentieren.

Das neue Unternehmen wird mit etwa 17 Milliarden Euro Umsatz und rund 48.000 Beschäftigten der zweitgrößte Stahlkonzern Europas sein. Thyssenkrupp und Tata sollen sich zunächst mit je 50 Prozent beteiligen.

Comments